Hat Kirche in den Niederlanden Burschen missbraucht und kastriert?

Schwere Vorwürfe gegen die römisch-katholische Kirche gibt es derzeit in den Niederlanden: So sollen in den 1950er-Jahren mehrere minderjährige Burschen wegen angeblicher Homosexualität kastriert worden sein. Nach Recherchen des „NRC Handelsblad“ soll es mindestens zehn Fälle geben. In mindestens einem Fall wurde der Bursche zuvor von den Fratres in einem katholischen Internat missbraucht.

Weiters gibt es den Verdacht, dass Kinder, die sich getraut haben, den Missbrauch ihrer Klassenkameraden öffentlich zu machen, ebenfalls kastriert wurden: So soll ein Bursche, der sich 1956 der Polizei anvertraute, wieder zurück ins Internat gebracht worden sein. Von dort kam er in eine psychiatrische Klinik, die von der Kirche geführt wurde, und wurde dort kastriert.

Die angeblich schwulen Burschen sollten durch die Kastration „von ihrer Krankheit befreit werden“, wie es damals hieß. Auch in den anderen Fällen fanden die Operationen in kirchlich geführten psychiatrischen Kliniken statt.

Die Zeitung „NRC Handelsblad“ beruft sich in ihrem Artikel auf die Aussagen von Opfern, Briefe, ärztliche Berichte und Dokumente von Anwälten.

Erst im Dezember hat eine Untersuchungskommission einen Bericht vorgelegt, aus dem hervorging, dass seit 1945 zehntausende Kinder und Jugendliche in kirchlichen Einrichtungen missbraucht worden sind. Schon damals soll die Kommission schriftlich darüber informiert worden sein, dass Kastrationen als „therapeutische Maßnahme zur Heilung von Homosexualität“ eingesetzt wurden. Trotzdem wurde dieser Aspekt nicht in den Abschlussbericht aufgenommen.

Sollte dies der Fall sein, zeige dies, dass die Untersuchungskommission nicht gründlich genug gearbeitet hat, so Tofik Dibi, Abgeordeter der linken Umweltpartei Groenlinks. Die sozialdemokratische Abgeordnete Khadija Arib möchte deshalb noch diese Woche eine parlamentarische Anhörung mit den Verantwortlichen der Kommission durchführen.

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