Neue Fortschritte im Kampf gegen Aids

Neue Hoffnung gibt es bei der Suche nach einem Heilmittel gegen den Immunschwäche-Virus HIV und die damit verbundene Krankheit Aids. „Die Heilungsforschung hat in den letzten zwölf Monaten mehr Fortschritte gemacht als je zuvor“, so Hans Jäger, HIV-Spezialist und wissenschaftlicher Leiter der 14. Münchner Aids- und Hepatitis-Tage. Er glaubt, dass es in fünf Jahren ein Heilmittel gegen eine HIV-Infektion gebe. Keinen Durchbruch gebe es hingegen bei der Suche nach einer Schutzimpfung.

Besonders große Hoffnungen setzen Wissenschafter derzeit in eine Methode, die bei einem Kongress in Seattle vorgestellt wurde. Mit dem Krebs-Wirkstoff Vorinostat konnten die Wissenschaftler an versteckt infizierte Zellen herankommen. In diesen Zellen schlummert das HI-Virus weiter, während es in anderen Zellen mit herkömmlichen Medikamenten gut abgetötet werden kann. „Dieses Medikament hat es geschafft, aus latent infizierten Zellen Viren freizusetzen, die dann von den bekannten Medikamenten erreicht und vernichtet werden können“, erklärt Jäger.

Entwarnung geben die 1500 Wissenschaftler, Ärzte, Juristen und Pflegekräfte, die bis Sonntag bei den 14. Münchner Aids- und Hepatitis-Tagen diskutierten, aber trotzdem nicht. „Weiterhin beschäftigen uns wichtige Themen wie Suchterkrankungen, Krebs bei HIV-Patienten, infizierte Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Diskriminierung am Arbeitplatz, HIV in der Schwangerschaft, Koinfektionen, Präventionsarbeit an Schulen sowie HIV und Homosexualität im Islam“, so Jäger. Weltweit starben im vergangenen Jahr etwa 1,8 Millionen Menschen an AIDS.

„Das Konzept heißt Prävention durch Therapie“, erklärt Jäger den Ansatz in Europa. Denn schon jetzt könnten die Medikamente die Viruslast im Blut so niedrig halten, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Nicht nur die Betroffenen könnten ein weitgehend normales Leben führen, auch die Ansteckungsgefahr geht gegen Null.

Ein besonderer Schwerpunkt des Kongresses war in diesem Jahr auch der Kampf gegen Hepatitis. Die gewachsene Bedeutung und Verbesserung der Therapie spiegelt sich erstmals im Namen des Kongresses wider. „Nur 20 Prozent der Menschen, die mit Hepatitis infiziert sind, wissen davon“, alarmiert Christian Hoffmann vom Infektionsmedizinischen Centrum Hamburg. „Aufklärung und Prävention sind daher ein wichtiger Bestandteil der ärztlichen Versorgung.“