‚Stolpersteine‘ für schwule Nazi-Opfer in Salzburg

In der Stadt Salzburg werden diese Woche „Stolpersteine“ verlegt, die an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen.

„Stolpersteine“ sind zehn mal zehn Zentimeter große Messingplatten, in die Name, Geburts- und Sterbedaten von Nazi-Opfern eingeprägt sind. Sie werden meistens vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort verlegt und machen so die Nazi-Gräuel im Stadtbild sichtbar. Die Idee für das Projekt kommt vom Kölner Künstler Gunter Demnig. In Salzburg wurden bereits 129 Stolpersteine für politisch und religiös Verfolgte verlegt. Damit nimmt die Mozartstadt eine Vorreiterrolle in Österreich ein.

Am Donnerstag und Freitag verlegt Demnig in der Stadt Salzburg 39 weitere Stolpersteine. Fünf davon sind schwulen Opfern des Nationalsozialismus gewidmet: Johann Gorup wurde im Zuchthaus Amberg ermordet, Günther Erlbeck im KZ Flossenbürg, Franz Schinnerl im KZ Dachau, Otto Schneider im KZ Buchenwald und August Strasser im KZ Mauthausen. Paten für diese Stolpersteine sind die HOSI Salzburg, die sozialdemokratische Homosexuelleninitiative SoHo und die Grünen Andersrum.

Insgesamt wurden während des Nationalsozialismus 338 Männer am Landesgericht Salzburg wegen Homosexualität verurteilt und in Konzentrationslager deportiert. „Davon haben wir jetzt fünf ausgewählt, von denen wir genau wissen, dass sie umgekommen sind. Nicht alle stammten aus Salzburg, sie waren zuletzt aber in der Stadt Salzburg gemeldet“, erklärt der Historiker Gert Kerschbaumer.

Sie zu finden war keine leichte Aufgabe: Gerichtsakten wurden vernichtet, weil sie als nicht archivwürdig galten. Da Homosexualität bis in die 1970er Jahre noch strafbar war, wurden sie auch lange Zeit nicht als Nazi-Opfer anerkannt. Dem entsprechend gibt es auch keine Aufzeichnungen in der Opferfürsorge.

Fündig wurde Kerschbaumer in einer alten Polizeimeldekartei. „Und auch im Landesgericht Salzburg gibt es ein Register, in dem die Verurteilten verzeichnet sind“, erklärt der Historiker. Er glaubt auch, dass die Polizei in Salzburg „Rosa Listen“, ein Verzeichnis mit schwulen Männern, angelegt hat: „Von anderen Städten wissen wir das genau. Außerdem war Salzburg damals eine Kleinstadt, wo man den Nachbarn kannte. Da wurde in erster Linie denunziert und in zweiter Linie bespitzelt“, erklärt Kerschbaumer dem ORF Salzburg.

Die HOSI Salzburg lädt anlässlich der Verlegung der ersten Stolpersteine für homosexuelle Opfer morgen, Mittwoch, zu einem hochkarätig besetzten Kamingespräch. Es diskutieren unter anderem der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Marko Feingold, der Historiker Gert Kerschbaumer sowie Gemeinderätin Ulrike Saghi. Das Gespräch beginnt um 19.30 Uhr in den Räumlichkeiten der HOSI Salzburg.

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