Türkische Armee verlangt Sex-Fotos von schwulen Männern

In der türkischen Armee gilt Homosexualität noch immer als Krankheit. Schwule Männer werden daher nicht zum Militär eingezogen. Allerdings müssen sie ihre sexuelle Orientierung beweisen.

Dass die Türkei ein Problem mit Homosexualität hat, ist nicht neu. Besonders unwillkommen sind schwule Männer aber bei den türkischen Streitkräften. Sie würden zu „disziplinären Problemen“ führen, erklärt der pensionierte General Armağan Kuloğlu in einem Interview mit der BBC. Schwule Soldaten bräuchten, so ist der General überzeugt, „getrennte Einrichtungen, getrennte Schlafsäle, Duschen, Übungsplätze“.

Und weil dies alles sehr umständlich wäre, beruft sich das türkische Militär auf die Standards der Amerikanischen Psychiater-Vereinigung von 1968 und sieht Homosexualität einfach als psychische Erkrankung an, die zur Untauglichkeit führt.

Allerdings: „Wenn sich jemand outet und sagt, er sei schwul, muss die Armee sicherstellen, dass er wirklich schwul ist, und nicht einfach lügt, um dem verpflichtenden Präsenzdienst im Militär zu entkommen“, erklärt Kuloğlu. Denn dieser dauert in der Türkei immerhin bis zu 15 Monaten.

Aber der Beweis der eigenen Homosexualität ist für die Betroffenen ein Spießrutenlauf. Sie berichten von Anal-Untersuchungen, Persönlichkeitstests, Fragebögen über ihre sexuelle Orientierung oder müssen der Stellungskommission Fotos bringen, die sie beim Sex mit einem anderen Mann zeigen.

„Sie haben mich gefragt, ob ich Fußball mag, oder ob ich Frauenkleider trage oder Frauenparfum“, erzählt Ahmet*, ein junger Stellungspflichtiger, der BBC: „Sie haben mich gefragt, wann ich meinen ersten Analsex hatte, Oralsex, und mit welchen Spielsachen ich als Kind gespielt habe.“ Die medizinische Kommission verlange von ihm Fotos, die ihn in Frauenkleidern zeigen. Stattdessen bot er ihnen Bilder an, die ihn zeigen, wie er einen anderen Mann küsst.

Ein anderer Betroffener, Gokhan*, berichtet, dass das Militär Bilder von ihm verlangt hat, die ihm beim Sex mit einem anderen Mann zeigen. Dabei musste das Gesicht erkennbar sein. „Und die Fotos müssen dich als passiven Partner zeigen“, erinnert sich Gokhan. Er hat Angst, eines Tages mit den Fotos erpresst zu werden: „Jemand hat diese Fotos und kann sie in meinem Dorf zeigen, meinen Eltern, meinen Verwandten“.

Ein ehemaliger Militär-Psychologe erzählt, dass die Ärzte von den Militärs Druck bekommen, Homosexualität zu diagnostizieren, „auch wenn es keine wirklichen Möglichkeiten gibt, eine sexuelle Orientierung zu diagnostizieren. Es ist medizinisch unmöglich und ganz und gar nicht ethisch“.

Wer diese entwürdigende Prozedur überstanden hat, bekommt dann die „rosa Bescheinigung“ – ein Untauglichkeitsattest, begründet mit einer „psychosexuellen Störung (Homosexualität)“.

Die Dokumentation wird heute im BBC World Service, dem internationalen Radioprogramm der BBC, ausgestrahlt.

* Zum Schutz der Betroffenen wurden ihre Namen geändert

Links zum Thema