Extremisten-Website hetzt gegen schwulen Pfarrgemeinderat

Erneut hetzt die radikalkatholische Webseite „kreuz.net“ gegen Schwule. Konkret geht es um die Entscheidung des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn, die Wahl des offen schwulen Pfarrgemeinderates von Stützenhofen, Florian Stangl, gutzuheißen.

Schönborn wird als „Homoporn-Kardinal“ bezeichnet, der sich bei einem klärenden Gespräch mit dem 26-Jährigen „Homo-Büblein die Hosen runterziehen“ ließ. Stangls Lebenspartner wird von den christlichen Extremisten als „reueloser Unzuchts-Komplize“ bezeichnet. Weitere Formulierungen in dem Artikel sind unter anderem „Homo-Perverser“, „Gomorrhist“ oder „Ex-Reichssender Wien (ORF)“.

Medienrechtlich zur Verantwortung gezogen kann die Hetz-Seite, der ein Naheverhältnis zu den Piusbrüdern nachgesagt wird, nicht. Offiziell beheimatet ist die „Initiative einer internationalen privaten Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind“ im kalifornischen El Segundo, damit profitiert sie von der liberalen US-Rechtssprechung zur Meinungsfreiheit. Die Beiträge selbst sind meist anonym verfasst, eine Verfolgung der Autoren, die im deutschen Sprachraum leben dürften, deshalb schwer.

Trotzdem dürfte es für die Webseite langsam eng werden: Wie Radio Vatikan berichtet, hat die deutsche Bischofskonferenz hat dem Portal „mit Nachdruck den Kampf“ angesagt. „Diese Seite hat mit der katholischen Kirche nichts zu tun. Hier wird der Begriff des Katholischen missbraucht, werden Menschen beschimpft, werden Bischöfe beschimpft“, ärgert sich „der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp: „Das Ziel muss sein, dass diese Seite möglichst bald aus dem Netz herausgenommen wird.“ Der Leiter des Medienreferats der Österreichischen Bischofskonferenz, Paul Wuthe, hatte bereits im Februar 2009 erklärt, die Seite sei ein „Ausdruck einer geradezu sektiererischen Hetzpropaganda, die sich immer wieder gegen Personen und Amtsträger der Kirche richtet“.

Und auch der deutsche Verfassungsschutz beobachtet die Seite: Nach einer Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist „kreuz.net“ teilweise antisemitisch und muslimfeindlich. Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm kündigte an, dass die Seite künftig vom Verfassungsschutz „noch intensiver geprüft“ werde. Die Homepage beinhalte „homophobe, muslimfeindliche und antisemitische Äußerungen“, die teilweise eine „extrem aggressive Diktion“ aufwiesen und „nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt“ seien. Diese würden auch „die Grenzen zur Strafbarkeit“ überschreiten, so die deutschen Verfassungsschützer.

Diese stoßen aber schnell an ihre Grenzen, weil sich die Server eben nicht innerhalb der EU befinden. Anders sieht es bei der römisch-katholischen Kirche aus: „Wir arbeiten an Möglichkeiten“, so Kopp. Zu Details will er sich nicht äußern.