FDP distanziert sich nach Hass-Mails von Gemeinderätin

Die FDP distanziert sich in aller Schärfe von ihrer Gemeinderätin Cordula Drechsler. Die 39-jährige Bankkauffrau, die für die Liberalen im Gemeinderat des sächsischen Bad Lausick sitzt, hat dem offen schwulen Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Deutschen Bundestag, Volker Beck, eine Hass-Mail geschickt und ihre Beleidigungen auf Nachfrage auch bestätigt.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sei „über die Art der verbalen, unmenschlichen und zutiefst unliberalen Entgleisungen entsetzt“, wie er in seiner Antwort an Volker Beck schreibt. Er macht klar: „Dies wird von meiner Partei unter keinen Umständen toleriert.“ Drechsler sei bereits seit 27. September 2010 kein Mitglied der FDP mehr. „lnwieweit Frau Drechsler als FDP-Fraktion im Stadtrat von Bad Lausick auftreten darf, wird derzeit vom Präsidenten des Bundesschiedsgerichts geklärt“, so Döring.

Noch deutlichere Worte findet Torsten Herbst, Generalsekretär der FDP Sachsen: „Frau Drechsler ist seit 2010 nicht mehr Mitglied unserer Partei, ihr einziger Fraktionskollege bereits seit über acht Jahren nicht mehr. Beide Personen maßen sich widerrechtlich und gegen den ausdrücklichen Willen der Partei an, als FDP-Fraktion aufzutreten. Es ist offensichtlich, dass die hasserfüllten Äußerungen von Frau Drechsler weder inhaltlich noch vom Niveau her etwas mit der FDP zu tun haben.“

In der Mail schrieb Drechsler an Beck, der im Jahr 2006 bei einer Lesben- und Schwulendemonstration in Moskau von Rechtsradikalen verprügelt wurde: „Sie sollten sich in Zukunft überlegen, ob sie nach Russland fahren und auch in Deutschland dürfte Ihr Leben schwerer werden im (noch nicht) von Muslimen komplett dominierten Berlin (dann werden Sie auch ein schweres Leben haben).“

Es habe in jeder Zeit in Europa Entwicklungen gegeben, die eine Minderheit der Bevölkerung widerspiegelten, schreibt Drechsler, „so auch jetzt mit der Homosexualität“. Diese Entwicklung werde sich als nicht tragfähig für den Fortbestand der Gesellschaft erweisen. Sie schloß ihre Mail mit dem Hinweis: „Leute wie Sie Herr Beck braucht das deutsche Wählervolk beim besten Willen nicht“ und „Mit heterosexuellen Grüßen aus dem erzkonservativen Freistaat Sachsen“.

Es sind nicht die ersten rechten Ausrutscher der Ex-Liberalen, die im Gemeindeparlament neben dem NPD-Abgeordneten sitzt. Wie die Leipziger Volkszeitung (LVZ) weiter berichtet, vertrat sie im Internet als „peterpan5“ die Meinung, „dass auch die Leidensfähigkeit der Deutschen irgendwann ein Ende hat“.

Auf jeden Fall ein Ende dürfte nach dieser Mail die Geduld der Liberalen mit ihrem Ex-Mitglied haben. Die FDP Sachsen werde „alle juristischen Mittel“ ausschöpfen, damit nicht mehr der Eindruck erweckt werde, Drechsler und ihr Kollege hätten etwas mit den Liberalen zu tun, so Herbst.