Mysteriöser Tod von Uni-Rektor: Polizei interessiert sich für Gay-Escorts

Der Tod von Richard Descoings, Rektors der französischen Elite-Hochschule Sciences Po, bleibt weiter mysteriös: Descoings wurde am Dienstag gegen 13 Uhr tot in seinem Hotelzimmer im New Yorker Hotel „Michelangelo“ gefunden – nackt. Sein Zimmer war in einem chaotischen Zustand. Auf dem Laptop des verheirateten 53-Jährigen fand man Links zu Seiten für schwule Escorts, berichtet nun die „New York Post“.

Für die New Yorker Polizei sind die Umstände seines Todes „verdächtig“. Sie leitete eine Untersuchung ein. Hinweise auf eine Gewalttat fanden sich jedoch nicht. Auch einen Selbstmord wollte die Polizei nicht ausschließen.

Wie der US-Sender NBC berichtete, tauchten persönliche Gegenstände Descoings, die zunächst fehlten, wieder auf: So seien sein Handy und sein Laptop offenbar aus dem Fenster des Zimmers im siebten Stock geworfen worden. Man fand sie auf einem Treppenabsatz im dritten Stock wieder.

Das Durcheinander in dem Zimmer sei möglicherweise auch von den Rettungskräften verursacht worden, die versucht hatten, Descoings wiederzubeleben, erklärte Polizeisprecher Paul Browne.

Aber auch sonst gibt es viele Ungereimtheiten in den letzten Stunden von Richard Descoings: So hätte er um neun Uhr das Hotel verlassen sollen. Das letzte Mal lebend gesehen wurde er eineinhalb Stunden später in seinem Zimmer – Da „schlief er“ sagte Browne. Wer den schlafenden Descoings gesehen hatte, wollte der Polizeisprecher nicht verraten.

Dafür gebe es „die Möglichkeit, dass sich zu einem gegebenen Zeitpunkt andere Personen in dem Zimmer befanden“. Andere Hotelgäste wollen am Abend vor dem Tod des Rektors „mehrere Stimmen“ aus seinem Zimmer gehört haben. Ein Zimmernachbar will Dienstag früh zwischen acht und neun Uhr zwei Personen im Flur gehört haben, die aus Descoings Zimmer kamen.

Wie die „New York Post“ berichtet, fand die Polizei auf dem Laptop des Toten Beweise, dass dieser im Internet nach schwulen Escorts gesucht hatte. Seine Witwe Nadia Marik-Descoings soll bereits vor der Heirat von seiner sexuellen Orientierung gewusst haben, berichtet die Zeitung weiter.

Kein Ergebnis brachte unterdessen die Autopsie von Descoings. Um die Todesursache zu klären, seien weitere toxikologische Ursachen und Auswertungen von Gewebeproben notwendig, erklärte eine Sprecherin der Ärzte in New York. Das werde bis zu zwei Wochen dauern.

Descoings, ein enger Freund von Präsident Nicolas Sarkozy, war in New York, um an einem Treffen von Universitätsrektoren an der Columbia-Universität teilzunehmen. Er stand seit 16 Jahren an der Spitze von Sciences Po Paris. Die Universität gilt als Kaderschmiede: Fast alle französischen Spitzenpolitiker haben sie besucht.