Wollte Schönborn schwulen Pfarrgemeinderat verhindern?

Eigentlich waren die Rollen im Streit rund um den offen schwulen Pfarrgemeinderat von Stützenhofen klar verteilt: Auf der einen Seite Erzbischof Christoph Schönborn als der gütige Oberhirte, der den gläubigen Homosexuellen in den Schoß der Kirche zurückholte, und auf der anderen Seite Gerhard Swierzek, der konservative Pfarrer von Schützenhofen, der gegen den Willen der eigenen Gemeinde agierte.

Doch das möchte sich Swierzek nicht weiter gefallen hat. Er deutet an, dass er ein Telefonat mit Schönborn aufgezeichnet hat, das zeigt, dass er auf ausdrücklichen Befehl des Kardinals gehandelt hat.

Wie das Bezirksblatt berichtet, soll Schönborn Swierzek in diesem Gespräch klar gemacht haben, dass „das“ mit Florian Stangl „nicht sein dürfe“ und der Pfarrer alles daransetzen müsse, den Kandidaten vom Stimmzettel „verschwinden“ zu lassen. Das berichten die „Bezirksblätter“ in ihrer aktuellen Ausgabe.

Öffentlich gemacht hat Swierzek diese Anschuldigungen in einer Stellungnahme, die der stellvertretende Pfarrgemeinderatsobmann Gerhard Wolfram während der Palmsonntagsmesse am 1. April verlesen hat.

„Er hat dabei unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass Pfarrer Swierzek bei der beabsichtigten Wahlverhinderung Florian Stangls als Pfarrgemeinderat ausschließlich im Auftrag des Kardinals gehandelt habe. Er verwies dabei konkret auf das auf Tonband aufgezeichnete Telefongespräch zwischen dem Pfarrer und dem Kardinal. Und er merkte an, dass er (Wolfram) selbst die Aufzeichnung des Telefonats gehört habe“, schildert Franz Schuster, Ohrenzeuge und Wahlleiter der umstrittenen Pfarrgemeinderatswahl, der Tageszeitung „Der Standard“.

Damit begibt sich der Pfarrer auf dünnes Eis: Rein rechtlich ist die Weitergabe von Tonaufnahmen an Dritte ohne Einwilligung des Gesprächspartners illegal. Dafür müsste der Betroffene allerdings Anzeige erstatten, was der Kardinal wohl kaum tun wird. Ob sich ein Pfarrer bei einem Erzbischof, dem er zur Treue verpflichtet ist, durch geheime Telefon-Mitschnitte allerdings beliebt macht, darf bezweifelt werden.

Dass es Gespräche zwischen dem Kardinal und dem Pfarrer gab, bestreitet man im Erzbischöflichen Palais auch nicht. Aber: „Nach dem Gespräch mit Florian Stangl hat der Kardinal seine Meinung geändert“, erklärt Erzdiözesen-Sprecher Michael Prüller.

Pfarrer Swierzek und der stellvertretende Pfarrgemeinderatsobmann Gerhard Wolfram waren dem „Standard“ gegenüber nicht zu einer Stellungnahme bereit. Prüller gibt allerdings zu: „Es gibt Gesprächsbedarf“.

Für nächste Woche ist ein Treffen zwischen Kardinal Schönborn, Generalvikar Nikolaus Krasa und Pfarrer Swierzek angesetzt.