Schwulem Indonesier drohen Abschiebung und Zwangsheirat

In Berlin soll ein schwuler Indonesier in seine alte Heimat abgeschoben werden, obwohl ihm dort eine Zwangsehe droht. Der Flüchtlingsrat Berlin e.V. und der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg haben deshalb eine Petition im Berliner Abgeordnetenhaus gestartet.

Seit 13 Jahren lebt Herry H. in Deutschland. Er spricht sehr gut Deutsch und engagiert sich ehrenamtlich für eine schwul-lesbische Jugendgruppe. Sein Coming Out hatte er in Berlin, weil er als schwuler Mann in seiner alten Heimat aufgrund familiärer und gesellschaftlicher Zwänge nicht frei leben kann, war er seit sieben Jahren nicht mehr in Indonesien.

Zuletzt studierte er an der TU Berlin Elektrotechnik. Weil er das Studium aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste, forderte ihn die zuständige Ausländerbehörde zur Ausreise aus. Einen Antrag der Härtefallkommission auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen hat Innensenator Frank Henkel von der CDU abgelehnt.

Dabei hätte Herry H. bereits eine neue Arbeit: Ein renommierter Hotelbetrieb hat für ihn eine Lehrlingsstelle in der Küche reserviert – doch diese kann er ohne Aufenthaltserlaubnis nicht antreten.

Die Zeit drängt: Herry H. könnte bereits am kommenden Donnerstag abgeschoben werden. In Indonesien droht ihm eine Zwangsverheiratung: Seine Familie hat bereits gegen seinen Willen bereits eine Frau für ihn ausgesucht und die Hochzeit geplant.

Nun protestieren der Flüchtlingsrat Berlin e.V. und der LSVD Berlin-Brandenburg scharf gegen die vorgesehene Abschiebung und fordern die Berliner Innenverwaltung auf, Herry H. eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen. Seit gestern gibt es in Berliner Abgeordnetenhaus eine Petition dafür.

LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert erinnert die deutsche Politik dabei an ihre eigenen Beschlüsse: „Erst im März 2011 hat der Bundestag ein Gesetz zum besseren Schutz vor Zwangsverheiratung beschlossen und seine Absicht betont, Opfer von Zwangsheirat besser zu schützen. Vor diesem Hintergrund und auch im Hinblick auf Deutschlands eigene Geschichte der Homosexuellenverfolgung ist es dringend geboten, Herry H. eine Aufenthaltsperspektive in Deutschland zu geben.“