[Video] Kanadischer Schwulenaktivist zu Tode geprügelt

Im kanadischen Halifax ist am Montag ein bekannter Schwulenaktivist vor einer Bar zu Tode geprügelt worden.

Raymond Taavel verließ gerade mit einem Freund eine Schwulenbar in der Gottingen Street, als ein vorbeikommender Mann sie anschrie. „Er verwendete immer wieder das Wort ‚Schwuchtel‘. So bin ich als erstes auf die Situation aufmerksam geworden“, erinnert sich Augenzeuge Wolf Engelberg gegenüber dem Fernsehsender CTV. Er konnte die Szene von seinem Schlafzimmer aus verfolgen.

Taavel wollte die Situation beruhigen – und musste dafür sterben. Der Täter, den beiden anderen Männern körperlich überlegen, schlug Taavels Kopf immer wieder auf die Straße. Seine Begleitung konnte flüchten. Ein Autofahrer fand Taavel schließlich um 2.39 Uhr, als er blutend am Boden lag. Er starb noch am Tatort.

Der Autofahrer sah auch, dass der Täter floh. Bei der Suche nach dem Unbekannten setzte die Polizei auch Hunde ein. Sie fanden ihn nur wenige Meter vom Tatort entfernt in einer Seitengasse. Bei dem Täter dürfte es sich um einen 32-Jährigen handeln, der einen einstündigen Freigang aus einem psychiatrischen Krankenhaus hatte – und dann nicht mehr zurückkam. Medienberichten zufolge wurde bei dem Mann bereits 1999 Schizophrenie diagnostiziert. Eingewiesen wurde er, nachdem er für eine Körperverletzung nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden konnte. Den damaligen Gerichtsakten zufolge sei der Täter „psychotisch mit einer Vorgeschichte von aggressiver Impulsivität und Unberechenbarkeit“.

Warum er das Krankenhaus alleine verlassen konnte, ist unklar. „Wir haben Beamte losgeschickt, um zu sehen wo er ist“, verteidigt sich Brian Palmeter von der Polizei in Halifax. Aber auch er muss zugeben: „Leider haben wir ihn nicht gefunden, bevor dieser Vorfall passiert ist“.

Der Täter muss sich heute, Mittwoch, vor dem Gericht in Halifax verantworten. Die Anklage lautet auf Totschlag.

In der schwul-lesbischen Community ist die Trauer über den Tod von Taavel groß. Er war unter anderem auch ehemaliger Vorsitzender der Gay Pride Week von Halifax. Entlang der Gottingen Street haben Aktivisten Regenbogenflaggen aufgehängt. Vor der Bar, die Taavel besucht hat, gab es eine Mehnwache. Die Straße wurde für die Trauernden gesperrt. „Er war ein großartiges Mitglied unserer Community, und er war mein Freund und ein Freund unseres Teams. Es sind ganz, ganz schlechte Nachrichten“, trauert auch die Parlamentarierin Megan Leslie vor dem Platz, an dem Taavel starb.

„Raymond hat anderen Menschen geholfen – sieben Tage die Woche, 24 Stunden pro Tag“, erinnert sich Daniel MacKay, Herausgeber des Szenemagazins „Wayves“, für das Taavels auch schrieb. „Ich werde ihn vermissen, weil er mich regelmäßig dazu gebracht hat, bessere Sachen für unsere Community zu tun“, sagte MacKay dem Fernsehsender CBC.

Am Ende der Mahnwache marschierten die Trauernden mit einer überdimensionalen Regenbogenfahne durch die Gottingen Street und sangen „Amazing Grace“.