Hetero machte keine Schwulenpropaganda

Ein heterosexueller Mann, der in St. Petersburg für die Rechte von Homosexuellen eingetreten ist und deshalb verhaftet wurde, ist heute schuldig gesprochen worden – allerdings nicht wegen dem vielkritisierten „Anti-Homosexualitäts-Gesetz“, das seit Anfang April in der russischen Stadt gilt.

Stattdessen wurde Sergej Kondraschkow lediglich wegen Nichtbeachung von Befehlen der Polizei verurteilt. Für die Richterin reichten die Beweise nicht aus, um ihn auch wegen „öffentlichen Handlungen, die auf die Propaganda von männlicher und weiblicher Homosexualität, Bisexualität oder Transgenderismus unter Minderjährigen abzielen“ zu verurteilen.

Für Kondraschkow, einen Rechtsanwalt, und weitere russische Menschen- und Bürgerrechtsaktivisten ist das ein weiterer Beweis, dass das „Anti-Homo-Gesetz“ von St. Petersburg in der Praxis nicht durchsetzbar und verfassungswidrig ist.

Als Kondraschkow festgenommen wurde, hielt er ein Schild mit der Aufschrift „Eine liebe Freundin der Familie ist lesbisch. Meine Frau und ich lieben und respektieren sie. Und ihre Familie ist gleich wie unsere“. Dass er dafür nicht wegen dem „Anti-Homo-Gesetz“ verurteilt wurde, hat er erwartet: „Die Gerichte haben Angst, dieses Gesetz anzuwenden, weil sie nicht für die weitere Vollstreckung verantwortlich gemacht werden wollen. Die Entscheidung der Richterin ist rechtlich betrachtet unlogisch.“

Für Kondraschkow ist das Urteil der Beginn eines langen Kampfes für Bürgerrechte in Russland: „Ich werde weiterhin dafür einstehen, was recht ist. Ich war vorher kein Aktivist, aber jetzt bin ich bereit gegen dieses ‚Schwulenpropaganda‘-Gesetz zu kämpfen. Unterstützer des Gesetzes behaupten, es würde ‚Kinder schützen‘, aber meine Verhaftung macht den wahren Sinn dahinter klar. In diesem Gesetz geht es in Wirklichkeit darum, Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender in der zweitgrößten russischen Stadt verschwinden zu lassen.

Doch nicht nur Mitglieder dieser Gruppen sind gefährdet: „Das Gesetz möchte auch Leute wie mich mundtot machen, Heterosexuelle, denen schwullesbische Freunde und Familienmitglieder nicht egal sind. Jetzt, wo Abgeordnete in der Duma eine Version dieses Gesetzes diskutieren, könnte dieses verabscheungswürdige Gesetz bald im ganzen Land gelten, wenn wir nicht jetzt dagegen kämpfen“, macht Kondraschkow klar.