‚Lieber kein Geld als Rechte für Lesben und Schwule‘

Der afrikanische Küstenstaat Gambia würde eher auf Entwicklungshilfe verzichten als Lesben und Schwulen mehr Rechte zuzugestehen. Das hat Präsident Yahya Jammeh am Samstag im Parlament erklärt.

„Wenn Sie uns Hilfe geben, damit Männer Männer und Frauen Frauen heiraten dürfen, dann lassen Sie es“, erklärte Jammeh in seiner Rede. Und er gibt sich kämpferisch: „Wir brauchen ihre Hilfe nicht, weil wir das nie zulassen werden, solange ich Präsident bin.“

Der Zeitpunkt für diese Aussagen war bewusst gewählt: Bei der Rede waren auch die Botschafter Großbritanniens und der USA anwesend. Beide Länder wollen ihre Entwicklungshilfe auch verstärkt an Staaten vergeben, die Menschenrechte von Lesben und Schwulen achten. In den Augen einiger afrikanischer Staaten ist diese Politik Ausdruck einer „exkolonialen Mentalität“.

Jammeh, der 1994 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen ist, ist für seine homophoben Äußerungen bekannt. Erst im Februar hat er Homosexuellen sämtliche Menschenrechte abgesprochen. Im Jahr 2008 wollte Jammeh Gesetze einführen, die Homosexualität „härter bestrafen als im Iran“, wo gleichgeschlechtliche Handlungen mit der Todesstrafe geahndet werden. Außerdem forderte er im Jahr 2008 alle Schwulen und Lesben des Landes auf, das Land innerhalb von 24 Stunden zu verlassen – sonst würde er ihnen den Kopf abhacken.

Und das Klima für Lesben und Schwule in Gambia scheint sich in den letzten Wochen wieder verschlechtert zu haben. Mitte April wurden in einer Bar in einem Vorort der Hauptstadt Banjul 19 Männer wegen „Verdachts auf Homosexualität festgenommen“. Auch Touristen werden in Gambia immer wieder verhaftet und verurteilt, wenn ihnen die Behörden homosexuelle Aktivitäten nachweisen.

Homosexualität ist in Gambia illegal, den Männern drohen bis zu 14 Jahre Haft. Das entsprechende Gesetz hat seine Ursprünge übrigens in der britischen Kolonialherrschaft.