CDU-Lokalpolitiker hält Homosexualität für ‚psychische Krankheit‘

In Sachsen hat es ein Provinzpolitiker geschafft, mit einem Facebook-Eintrag seine ganze Partei in Erklärungsnotstand zu bringen.

Dieter Blechschmidt, CDU-Stadtrat und Pressesprecher der Fraktion in Plauen, sinnierte auf Facebook: „Natürlich können Schwule und Lesben zunächst mal nichts für ihre Krankheit (…). Doch eine Krankheit sollte nicht zur gesellschaftlichen Normalität erhoben werden, sondern den Betroffenen sollte Hilfe angeboten werden.“

Als ihn der „Vogtland-Anzeiger“ um eine Stellungnahme bat, legte Blechschmidt nach: Er verglich Homosexualität mit Alkoholismus und behauptete, beides seien heilbare Krankheiten. Weiters habe Homosexualität „psychische Ursachen“.

Weiters kritisierte der Provinzpolitiker Außenminister Guido Westerwelle: Dieser sei „keine gute Wahl“ für das Amt. Blechschmidt frage sich, wie ein Schwuler Deutschland in Arabien repräsentieren solle, wenn dort Homosexuellen die Todesstrafe drohe.

Bereits zuvor hatte sich der 50-Jährige gegen die Besetzung von Pfarrerstellen durch Lesben und Schwule ausgesprochen. In einem Leserbrief an die „Freie Presse“ schrieb er, dass Schwule zwar Christen und Kirchenmitglieder sein dürften, „nur eben nicht Pfarrer“.

Die sächsische CDU beeilte sich mit Distanzierungen von ihrem Stadtrat: Sören Voigt, Chef der CDU Vogtland betonte, die Meinung sei „in keinster Weise“ die Auffassung der Partei, und der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer betonte, es handle sich um eine „Einzelmeinung“. Die CDU respektiere Homosexualität, sie gehöre zur Gesellschaft dazu.

Das glaubt Tilmann Loos, Mitglied des Landesvorstandes der Linken in Sachsen, nicht: „Die sächsische CDU scheint ganz offenkundig ein Problem mit homophoben Lokalpolitikern zu haben“, vermutet er und verweist auf Kai Hähner von der CDU Chemnitz, der im Jahr 2010 Homosexualität als „Abnormalität“ bezeichnete.

Blechschmidts SPD-Amtskollege Benjamin Zabel kann den Fehltritt des CDU-Politikers auch nicht fassen: „Als Demokrat und Stadtrat schäme ich mich für diese Äußerungen.“ Er forderte von Blechschmidt eine Entschuldigung oder den Rücktritt von sämtlichen Ämtern. Das lehnt Blechschmidt ab: Eine solche Reaktion auf seine Äußerungen sei „intolerant“, sagte er dem „Vogtland-Anzeiger“.

Und auch der sächsische Lesben- und Schwulenverband übt Kritik an Blechschmidt: Es sei „absolut hinterwäldlerisch, wenn Homosexualität als Krankheit aufgefasst wird“, so Vorstandsmitglied Hartmut Rus. Er lud den CDU-Politiker zu einem Treffen ein: „Herr Blechschmidt kann gern einmal bei uns vorbei schauen, um sich in Toleranz zu üben“.

Dass sich die CDU mit Lesben und Schwulen schwer tut, zeigt ein Detail: Im neuen Parteiprogramm, das im November verabschiedet wurde, konnten sich die Christdemokraten nicht dazu durchringen, einen Passus aufzunehmen, wonach die Partei auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften respektiere.