Hollande gewinnt Wahl – Kommt Homo-Ehe in Frankreich?

Der neue Präsident der französischen Republik heißt François Hollande. Er hat sich heute in einer Stichwahl gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy mit 52 zu 48 Prozent durchgesetzt.

Hollande ist der erste sozialistische Präsident seit dem Ende der Amtszeit von François Mitterrand vor 17 Jahren. Sein Sieg dürfte auch der Homo-Ehe in Frankreich neuen Auftrieb geben.

Denn der Sozialist Hollande hat sich im Wahlkampf wiederholt für eine Öffnung der Ehe gegenüber homosexuellen Paare und der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen.

Derzeit können Lesben und Schwule – wie auch heterosexuelle Paare – lediglich den Zivilpakt PACS eingehen. Dieser gewährt Paaren einige gemeinsame Rechte, gibt ihnen aber beispielsweise keine gemeinsame Adoptionsmöglichkeit.

Die Öffnung der Ehe ist mittlerweile eine klassische Forderung der französischen Sozialisten. Bereits bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2007 hat sich die Spitzenkandidatin, Hollandes damalige Partnerin Ségolène Royal, für die Öffnung der Ehe stark gemacht.

Auch der 57-jährige Hollande hat sich bereits bei den parteiinternen Vorwahlen klar für die Gleichstellung ausgesprochen: „Es gibt keinen Grund mehr, warum wir immer noch zwischen hetero- und homosexuellen Paaren unterscheiden“, sagte er seinen Anhängern.

Mittlerweile sieht das auch eine Mehrheit der Franzosen gleich: Einer Meinungsumfrage zufolge, die von der Tageszeitung „Le Parisien“ im Jänner veröffentlicht wurde, sprechen sich 63 Prozent der Befragten für die Öffnung der Ehe aus.

Im Gegensatz dazu hat sich der heute abgewählte Präsident Nicolas Sarkozy im Wahlkampf deutlich gegen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen. Diese würde, so Sarkozy in einem Interview mit der regierungsfreundlichen Tageszeitung „Le Figaro“, für eine Öffnung des Adoptionsrechts „die Tür öffnen“ – und das sei abzulehnen. Er wollte lediglich den PACS aufwerten.

Sarkozys Haltung zur Ehe-Öffnung ist ein Beispiel dafür, wie er sich in diesem Wahlkampf erfolglos versucht hat, der Rechten anzubiedern: 2008 befürwortete er die Homo-Ehe noch. Dass er in diesem und vielen anderen Punkten seine Meinung regelmäßig geändert hat, dürfte mit ein Grund sein, warum er heute abgewählt wurde.