Wieder vier Schwule im Iran hingerichtet?

Im Iran sollen erneut vier Männer wegen ihrer Homosexualität hingerichtet worden sein. Das berichtet die iranische Menschenrechtsorganisation „Human Rights Activists News Agency“ (HRANA).

So sollen Saadat Arefi, Vahid Akbari, Javid Akbari und Houshmand Akbar von einem Gericht in der Provinz Kohkiluyeh und Buyer Ahmad wegen „Lavat“ schuldig gesprochen worden sein und nach der Bestätigung des Urteils gehängt werden.

Unter „Lavat“ versteht das iranische Strafgesetz eine „sexuelle Handlung zwischen Männern, entweder mit Eindringen oder in Form von Tafkhiz“, dem Aneinanderreiben von Oberschenkel und Penis. „Lavat“ mit Analverkehr wird nach §110 mit dem Tod bestraft. Die Art der Exekution obliegt dem Scharia-Richter.

Bestätigt werden konnte der Bericht der HRANA noch nicht: In den Darstellungen offizieller Medien werden schwule Männer, die wegen ihrer sexuellen Orientierung hingerichtet werden, oft als Vergewaltiger oder Kinderschänder bezeichnet.

Dabei sind die Tatsachen oft andere: So gilt die Provinz, in der der Prozess stattfand, als eine der rückständigsten und ländlichsten. In der deutschen Online-Plattform queer.de bezweifelt der in London lebende iranische Menschenrechtler Mehri Jafari, dass die Angeklagten überhaupt einen Zugang zu einem Anwalt hatten: „Nach der Ankündigung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Exekution bald durchgeführt wird. Die Abgelegenheit macht es schwierig, dort Einfluss auszuüben“.

Wie viele Menschen im Iran jedes Jahr zum Tode verurteilt werden, weil sie schwul sind, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) geht von mehr als 4.000 Todesurteilen seit der iranischen Revolution 1979 aus. Verurteilt werden laut HRW zum überwiegenden Großteil Männer. Lesbische Frauen kommen wegen ihrer sexuellen Orientierung nur selten vor Gericht.