[Video] Etwa 80 Festnahmen bei Moscow Pride

Auch, wenn sie zum siebenten Mal in sieben Jahren verboten worden ist, versuchte am Sonntag trotzdem eine kleine Gruppe von Lesben und Schwulen in Moskau für ihre Rechte zu demonstrieren – und wurde wenig überraschend von Gegendemonstranten empfangen und verhaftet.

Die Moskauer Polizei war am Demonstrationsort gegenüber dem Moskauer Rathaus massiv präsent. Denn nicht nur die Lesben- und Schwulenvertreter hatten sich angekündigt, auch gewaltbereite Ultraorthodoxe und Nationalisten warteten schon auf die Lesben und Schwulen.

Die Polizei griff hart durch: Dutzende Aktivisten wurden am Veranstaltungsort festgenommen und in Polizeiwagen weggebracht. Nach Angaben der Polizei wurden etwa 40 Lesben- und Schwulenaktivisten festgenommen. Medienberichten zufolge wurden auch ebensoviele Gegendemonstranten in Polizeigewahrsam genommen.

Unter den Festgenommenen waren auch Nikolai Alexejew, der Leiter von GayRussia, und zwei Journalisten, die nach Polizeiangaben an der Parade teilgenommen hätten. Alexejew wurde auch wegen der Organisation einer nicht genehmigten Versammlung angezeigt. „Es ist erbärmlich, dass sich Russland zu einem totalitären Staat entwickelt hat“, twitterte er daraufhin.

Homosexualität ist in Russland zwar seit 1993 legal, aber immer noch ein Tabuthema. Scheinehen sind üblich, um öffentlicher Ausgrenzung zu entgehen. In der zweitgrößten Stadt St. Petersburg wurde im März ein Gesetz beschlossen, das „Propaganda“ über Homosexualität vor Minderjährigen verbietet. Die Staatsduma diskutiert gerade darüber, das international umstrittene Gesetz landesweit einzuführen.