Europa der beste Kontinent für Lesben und Schwule

Europa ist für Lesben, Schwule und Bisexuelle der beste Kontinent zum Leben. Das geht aus einer aktuellen Studie des internationalen Lesben- und Schwulenverbandes ILGA hervor.

So ist Homosexualität auf dem gesamten Kontinent – mit Ausnahme des türkisch besetzten Nordzypern – legal. Das erste Land, das gleichgeschlechtliche Kontakte straffrei stellte, war Frankreich kurz nach der französischen Revolution 1791, das letzte Armenien im Jahr 2003.

Im Gegensatz dazu bestrafen 40 Prozent der Staaten, vor allem in Afrika und dem Nahen Osten, Homosexualität noch immer. In Mauretanien, dem Sudan, Iran, Saudi-Arabien, dem Jemen und Teilen von Nigeria und Somalia droht für gleichgeschlechtlichen Sex sogar die Todesstrafe.

In den letzten Jahren bei der Gewährung von Rechten für Lesben, Schwule und Transgender deutlich aufgeholt hat Lateinamerika. Das argentinische Gesetz zum Ändern des Geschlechts gilt auch für europäische Staaten als Vorbild. „Lateinamerika ist ein sehr, sehr wichtiges Gebiet geworden, das seine eigenen Beiträge zur politischen Situation leistet“, so ILGA-Generalsekretär Renato Sabbadini.

Doch auch innerhalb Europas gibt es Unterschiede, was die Lebenssituation von Lesben und Schwulen betrifft. Hier gilt die Grundregel: Je weiter nach Osten man kommt, umso schwerer haben es sexuelle Minderheiten. So hat das Europaparlament erst letzte Woche Homophobie in Russland, der Ukraine, Moldawien, Lettland, Litauen und Ungarn kritisiert.

Trotzdem: „Europa ist traditionell die Gegend, in der die ersten Schritte gemacht werden“, sagt Dennis van der Veur, in der EU-Grundrechteagentur für LGBT-Belange zuständig. So sind von den zehn Ländern, die die Zivilehe für Lesben und Schwule geöffnet haben, sieben in Europa. Auch gibt es nur in Europa mit Elio Di Rupo in Belgien und Jóhanna Sigurðardóttir in Island Regierungschefs, die offen zu ihrer Homosexualität stehen.

Weiters verbietet EU-Recht Diskriminierungen am Arbeitsplatz aufgrund der sexuellen Orientierung. Europäische Staaten gehören auch zu jenen, die Hassverbrechen am schärfsten bestrafen. Auf der anderen Seite ist Europa sehr liberal, wenn es um Adoptionsmöglichkeiten für gleichgeschlechtliche Paare oder die Anerkennung einer Geschlechtsanpassung geht.

Doch es gibt auch Probleme: Einer Erhebung von ILGA-Europe zufolge gibt es in keinem einzigen europäischen Land volle Rechte für Lesben, Schwule und Transgender. Die Diskriminierung von Transgendern ist nur in der spanischen Verfassung verboten, und eine entsprechende Rechtsvorlage der EU wird seit 2008 von einigen Mitgliedsstaaten blockiert.