Hat ‚Porno-Killer‘ Magnotta noch weitere Menschen auf dem Gewissen?

Die Ermittlungen gegen Luka Magnotta seien noch „weit davon entfernt“, abgeschlossen zu werden, so der Polizeisprecher von Montréal, Ian Lafrenière: „Wenn man einem solchen Menschen gegenüber steht, denkt man an andere Verbrechen“. Nun prüfen die Beamten weitere ungelöste Verbrechen.

Magnotta wird verdächtigt, Ende Mai seinen Liebhaber getötet, zerstückelt, gegessen und Leichenteile an politische Parteien verschickt zu haben. Er flüchtete nach Europa und wurde gestern in einem Internet-Café in Berlin festgenommen.

Der Inhaber des Internet-Cafés in der Karl-Marx-Straße in Neukölln, Kadir Anlayisli, hatte Mignotta erkannt und die Polizei gerufen. „Ich lese viel, deshalb habe ich ihn erkannt“, erklärt Anlayisli. Magnotta betrat das Café kurz vor zwölf Uhr „in dunkler Jacke und heller Hose“, wie der Berliner „B.Z.“ schreibt. Er fragte auf Französisch nach einem Internetzugang.

„Er trug zwar eine Sonnenbrille, aber ich war mir sicher, dass er der gesuchte Mann war“, so Anlayisli der „B.Z.“. Deshalb wollte der Inhaber des Cafés auf der Straße einen Polizeiwagen anhalten – was erst beim zweiten Versuch funktionierte: Die erste Streife glaubte dem Mann nicht.

Einer von drei Mannschaftswagen mit Polizeischülern, die zufällig vorbeifuhren, hat schließlich angehalten. Sieben Nachwuchs-Polizisten gingen schließlich gegen 13.30 Uhr ins Internet-Café, um sich Magnotta zu schnappen.

Der Kanadier hat sich gerade Pornos und Nachrichtenartikel über sich selbst angesehen, als ihn die Beamten nach seinem Namen fragten. Zuerst sagte Magnotta den Beamten einen falschen Namen, dann resignierte er: „You got me!“. Er wurde in Handschellen abgeführt.

„Als sie ihn hinausführten, zeigte mir einer der Beamten noch seine nach oben gerichtete Daumen“, erzählt Anlayisli. Er selbst selbst bleibt bescheiden: „Ich habe nur meine Pflicht getan.“

Bevor er in Berlin geschnappt wurde, ist Magnotta zunächst von Montréal nach Paris geflüchtet, wo ihm die Polizei schon auf den Fersen war. Donnerstag Abend soll er dann im Pariser Vorort Bagnolet in einen Eurolines-Bus in Richtung Berlin gestiegen. Das bestätigten auch Bilder der Videoüberwachung. „Die französische Polizei hat daraufhin sofort die deutschen Behörden alarmiert“, so der französische Info-Sender LCI.

Magnotta sitzt nun in einer Zelle der Berliner Landeskriminalamtes (LKA). Kanada möchte die sofortige Auslieferung von Magnotta beantragen. Das könnte allerdings Jahre dauern, warnt der Rechtsexperte Gary Botting in der Zeitung „Toronto Star“.

Magnotta wird dringend verdächtigt, seinen ehemaligen Liebhaber, den chinesischen Studenten Lin Jun, ermordet, zerstückelt und einzelne Leichenteile gegessen zu haben. Er filmte die Tat uns stellte das Video ins Internet. Den abgetrennten Fuß des Studenten schickte er am 29. Mai an die Zentrale der Konservativen Partei von Kanadas Premierminister Stephen Harper. Ein weiteres Paket mit einem abgetrennten Arm ging an die Liberale Partei Kanadas.