CSD Berlin wird von drei ausländischen Diplomaten eröffnet

Diesen Samstag findet in Berlin der 34. Christopher Street Day (CSD) statt – einer der Höhepunkte der deutschen Paraden-Saison.

Erstmals wird die Veranstaltung von ausländischen Diplomaten eröffnet: So werden die Botschafter aus den USA und Großbritannien sowie ein Gesandter aus den Niederlanden vor der traditionellen Parade symbolisch das Band durchschneiden. Das teilte der Vorstand des Berliner CSD-Vereins am Mittwoch mit.

Dass Botschafter die Parade eröffnen, passt gut zur politischeren Ausrichtung der Veranstaltung: Dieses Jahr möchte man in Berlin gegen die Behandlung von Lesben und Schwulen in Russland protestieren.

Der CSD startet um 12.30 Uhr an der Ecke Gitschiner Straße/Prinzenstraße in Kreuzberg. Dort geben US-Botschafter Philip D. Murphy, sein britischer Amtskollege Simon McDonald und der niederländische Gesandte Frank Mollen den Startschuss für die Parade. Die Niederlande sind übrigens auch mit einem eigenen Wagen auf der Parade vertreten.

Anschließend geht die Route über die die Wilhelmstraße am Berliner Abgeordnetenhaus vorbei zum Potsdamer Platz. Endpunkt ist das Brandenburger Tor. Für die Abschlussveranstaltung darf der CSD die EM-Fanmeile auf der Straße des 17. Juni nutzen. „Wir zahlen hier einen Fiat und kriegen einen Ferrari“, freut sich auch CSD-Geschäftsführer Robert Kastl.

Vor der Russischen Botschaft ist eine flashmob-artige Aktion geplant. „Wir werden den Checkpoint Vladimir auferstehen lassen“, kündigte CSD-Vorstandsmitglied Bodo Niendel an. Genaueres wollte er nicht verraten. Dass „jegliche positive Erwähnung von Homosexualität“ in Russland sanktioniert werde, sei nicht hinnehmbar, so Niendel.

Dieses Jahr beteiligen sich am Berliner CSD 62 Organisationen, darunter Szenelokale und -veranstalter, Parteien, Gewerkschaften, Unternehmen sowie auch Aktivisten aus Russland. Zusätzlich werden noch zahlreiche Fußgänger-Gruppen erwartet, für die keine Anmeldepflicht gilt.

Unterdessen haben die Veranstalter rechtliche Schritte gegen das Bezirksamt Mitte angekündigt. So seien Gebühren kurzfristig um bis zu 40 Prozent erhöht worden. Außerdem hätten die CSD-Veranstalter zunächst keinen Einblick in das Sicherheitskonzept der Behörde bekommen: „Da sind uns wichtige Informationen einfach vorenthalten worden“, ärgert sich Kastl.

Im September getroffene Absprachen seien im Februar wieder umgestoßen worden, was zu mehr Arbeit und höheren Kosten von bis zu 45.000 Euro geführt hätte: „Es gab immer Probleme bei den Absprachen mit dem Bezirksamt im Vorfeld des CSD, aber jetzt sind die Zustände nicht mehr tragbar“, ärgert sich Kastl. Er bezeichnete die Behörde als „inkompetent“, das Verhalten von Mitarbeitern als „schikanös“. „Es wird Zoff geben“, kündigte Kastl an. Welche Schritte genau eingeleitet werden sollen, werden die Veranstalter nächste Woche diskutieren.

Der zuständige Wirtschaftsstadtrat von Berlin-Mitte, Carsten Spallek von der CDU, kann das nicht verstehen. Er erklärte, die Sondernutzungsgebühren seien für alle Veranstalter in Berlin gleichermaßen erhöht worden.

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