Katholische Bischofskonferenz gegen künstliche Befruchtung für Lesben

In Österreich könnten lesbische und alleinstehende Frauen schon bald die Möglichkeit haben, sich künstlich befruchten zu lassen. Doch dagegen macht jetzt die römisch-katholische Bischofskonferenz mobil.

Das Verbot für alleinstehende und verpartnerte Frauen, eine In-Vitro-Fertilisation durchführen zu lassen, wird derzeit vom Verfassungsgerichtshof geprüft. Eine Entscheidung dürfte es frühestens im Herbst geben. Doch die Bioethik-Kommission im Bundeskanzleramt, die der VfGH zu Rate gezogen hat, hat sich für die Zulassung lesbischer Paare und alleinstehender Frauen ausgesprochen.

Jetzt macht die römisch-katholische Kirche die Öffnung der künstlichen Befruchtung zu ihrem Thema: Bei ihrer Sommer-Vollversammlung in Mariazell erklärten die Bischöfe, „In-Vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik sind abzulehnen“. Die Begründung der Kirchenoberen: Es gebe „zahlreiche ethische, gesundheitliche und psychische Probleme rund um die Reproduktionsmedizin“.

Besonders abzulehnen sei die Elternschaft für gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Personen, da hier „von vornherein und mit Absicht in Kauf genommen wird, dass dieser nicht bei einem Vater und einer Mutter vereint aufwachsen darf“, so die Bischofskonferenz.

Und die alten Herren gehen noch weiter: „Ein Kind hat ein Recht auf Vater und Mutter, das so gut wie möglich gewahrt werden soll. Bei Vater und Mutter aufzuwachsen gibt den Kindern wesentliche Orientierung und ist maßgeblich für die eigene Identität. Dem entspricht die heute zu Recht geforderte Einbindung des Vaters in die Erziehung und Betreuung der Kinder. Das Vorbild der Eltern als Mann und Frau ist zudem wichtig für das Verständnis des Kindes über das Zusammenleben der Geschlechter“, heißt es in der Erklärung.

Wohlwollen für die Haltung der Kirche gibt es – wenig überraschend – bei der ÖVP. Man sieht keinen Änderungsbedarf und argumentiert mit dem Kindeswohl.

Für Christian Högl, Obmann der HOSI Wien, ist diese Haltung der Bischöfe „wenig überraschend“. Die römisch-katholische Kirche sei ein „leider sehr einflussreicher Verein“, dessen „Basis weit progressiver“ als die Bischofskonferenz sei, sagt er in einem Gespräch mit der „Wiener Zeitung“.

„Kinder leiden nicht darunter, gleichgeschlechtliche Eltern zu haben“, ist Högl überzeugt – trotzdem gebe es massive Hürden für Regenbogenfamilien, vom Verbot der künstlichen Befruchtung bis zur fehlenden Möglichkeit einer Stiefkindadoption. Und solange es eine „rechte Mehrheit im Parlament“, bestehend aus ÖVP, FPÖ und BZÖ, gebe, „wird sich da nichts ändern“.

Die Hoffnung der Community liegt also auf den Höchstgerichten, die bereits einige diskriminierende Regelungen gekippt haben. Und auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek möchte das Thema weiter vorantreiben: „Regenbogenfamilien sind eine gesellschaftliche Realität. Es ist höchste Zeit, dass wir in der Politik auf diese Entwicklung reagieren“, sagt sie auf Nachfrage der „Wiener Zeitung“.