Iran schließt Verlag wegen ‚homosexueller‘ Bücher

Die Behörden im Iran haben einen Verlag geschlossen, weil er angeblich Werbung für “Homosexualität, Inzest und außereheliche sexuelle Beziehungen zwischen Männern und Frauen“ macht.

Der Verlag „Cheshmeh“, was auf persisch „Frühling“ bedeutet, gilt als einer der führenden Verlage für Literatur und Wissenschaft im Iran. Zunächst hat die Regierung die Genehmigung unter der Begründung zurückgezogen, einige Bücher würden religiöse Gefühle verletzen.

Doch dann schwenkten die Mullahs um: Am 22. Juni sagte Bahman Dorri, Minister für Kultur und islamische Lebensführung, iranischen Medien, die Vorwürfe gegen Cheshmeh würden auf Bewerbung von Homosexualität, Inzest und außereheliche sexuelle Beziehungen zwischen Männern und Frauen ausgedehnt.

Der Inhalt einiger Bücher sei so deutlich gewesen, dass „sogar die Zensoren sich geschämt haben, sich die Bücher anzuschauen“, behauptet Dorri.

Für Hussein Alizadeh von der internationalen schwul-lesbischen Menschenrechtskommission (IGLHCR) ist diese Entscheidung der iranischen Regierung „ein perfektes Beispiel, wie das Sodomie-Gesetz und die Hysterie gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender der gesamten Gesellschaft schadet, inklusive Intellektuellen und Mitgliedern der Zivilgesellschaft, die einfach nur das Thema Homosexualität diskutieren wollen.“

Ähnlich äußert sich auch der Iraner Gorki Marzban von der in Österreich beheimateten „Oriental Queer Organization“ (OQRA): „In Wirklichkeit ist dieses Verbot kein schwul-lesbisches Thema. Es gibt kein einziges Buch, über homosexuelle Beziehungen, das im Iran herausgegeben wurde“, erklärt er.

„Die Regierung hat acht Verlage verboten, von denen Cheshmeh nur einer war. Die iranischen Behörden haben schon öfter so reagiert. Sie haben sogar den Verleger von Paolo Coehlo verboten, wegen einer romantischen Geschichte, in der ein iranisches und irakisches Paar Ehebruch begehen“, so Marzban weiter.