EuroGames starten unter verschärften Sicherheitsbedingungen

In Budapest haben heute die EuroGames begonnen, die größte schwul-lesbische Sportveranstaltung Europas. Neben Sportbewerben gibt es auch ein umfassendes Konferenz- und Tagungsprogramm, das besonders für Organisationen aus Mittel- und Osteuropa zugeschnitten wurde. Ein Hauptaugenmerk legen die Organisatoren auf die Sicherheit der Teilnehmer.

Von außen ist das EuroGames Village nicht zu erkennen: Eine eingezäunte Anlage mit einem kleinen Park und ein paar Gebäuden. Keine Regenbogenflagge. Nur ein kleines, aufgeklebtes Schild, auf dem „EuroGames 2012 Budapest“ steht, verrät, dass man richtig ist. Zwei Polizisten bewachen das Gelände von außen, die Parkspur vor dem Zaun ist teilweise abgesperrt.

Dahinter: Die administrative Zentrale der EuroGames, und einige Zelte mit Merchandising-Artikeln, Getränken und ungarischen Spezialitäten. Hier sollen die Teilnehmer rund um ihre Sportbewerbe verweilen, sich kennenlernen und Spaß haben.

Betritt man das Gelände, warten Sicherheitskontrollen – wie am Flughafen. Man durchläuft eine Metallschleuse, Taschen werden durchsucht, und ohne den Teilnahmepass wird ein Eintritt schwierig. Diesen sollte man außerhalb des Geländes übrigens nicht sichtbar tragen, heißt es im Begleitheft zu den EuroGames. „Auch, wenn Budapest eine sichere Stadt ist.“

Keine Frage – man geht auf Nummer sicher: Spätestens seit bei der Wahl zum Mister Gay vor einigen Jahren ein Molotowcocktail an der Tür einer Cruisingbar abgeprallt ist, leben Schwule und Lesben in Ungarn vorsichtig.

Nicht ganz unbegründet: Neonazis haben vor Kurzem im Internet klar gemacht: „Die Jagdsaison beginnt“. Dazu Fotos aller Mitglieder des Organisationsteams, inklusive Links zu ihren Facebook-Profilen. Einige haben es daraufhin deaktiviert.

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Denn auch wenn der Budapester Bürgermeister István Tarlós die Bitte seines Berliner Amtskollegen Klaus Wowereit, die EuroGames zu unterstützen, abblitzen hat lassen – weil er „eine solche Lebensweise“ nicht befürworte: Budapest tut ihr Bestes, die EuroGames zu schützen.

So herrscht bei der Budapester Polizei Urlaubssperre. Jeder Mann, jede Frau werde in diesen Tagen gebraucht – sicherheitshalber. Denn nach den EuroGames startet die Budapest Pride, das nächste Ziel für homophonbe Rechte.

Panik ist aber nicht angebracht. Sämtliche Ungarn versichern, dass ihre Stadt auch für Schwule und Lesben sicher ist. Und auch der ungarische Botschafter in Deutschland, József Czukor, hat Ende März dafür garantiert, dass die EuroGamesvon der Polizei mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln vor möglichen Angriffen von Rechtsradikalen geschützt werden.

Eher kontraproduktiv sind da Einwürfe aus dem Ausland. So hat die Berliner Tageszeitung „taz“ heute einen Artikel veröffentlicht, in dem die Autorin schreibt, „aus Sicherheitsgründen wurden die tatsächlichen Orte der Spiele von den Eurogames-Organisatoren bis zuletzt geheim gehalten“. Was so nicht stimmt – alle Veranstaltungsorte hängen im EuroGames Village gut sichtbar aus, es gibt auch eine Karte zum Mitnehmen.

Und auch in der schwul-lesbischen Szene von Budapest ist keine Angst zu spüren. Im Gegenteil: Die Lokale füllen sich in den letzten Tagen verstärkt mit Teilnehmern der EuroGames. Teilweise kommen sie sogar in Gruppen und machen aus der dunkelsten Cruisingbar ein freundliches Lokal.

Auch, wenn es wohl die unsichtbarsten EuroGames sind, die es je gegeben hat: Innerhalb der Zeltstadt sind sie lustig, froh und laut wie immer. Und für die ungarische Community sind sie eine Chance auf internationale Sichtbarkeit und Unterstützung, die gerne genützt wird.

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