Schwulenaktivist in der Ukraine überfallen und verprügelt

Einen homophoben Überfall hat es in der Nacht auf Donnerstag in der Ukraine gegeben: Wie erst jetzt bekannt wurde, ist in Kiew der schwul-lesbischer Aktivist Taras Karassijtschuk von Hooligans zusammengeschlagen worden. Medien berichten, er liegt mit einer Gehirnerschütterung und einem mehrfachen Unterkieferbruch im Krankenhaus.

Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ fordert von den Behörden der Ex-Sowjetrepublik eine Klärung des „grauenhaften Vorfalls“. Kollegen des 28-Jährigen gehen davon aus, dass die Tat einen politischen Hintergrund hat.

Karassijtschuk ist einer der Organisatoren der ersten Lesben- und Schwulenparade, die Ende Mai in der Ukraine stattfinden hätte sollen. Aus Angst vor Zusammenstößen mit Nationalisten und religiösen Extremisten wurde sie jedoch kurz vor Beginn abgesagt worden.

Damals warf Karassijtschuk den Behörden mangelnden Willen vor, die Teilnehmer zu schützen: Einer der Organisatoren wurde in einem Hinterhalt überfallen, mit Pfefferspray angegriffen und krankenhausreif geprügelt. Das Video wurde im Internet weit verbreitet.

Der offen schwule Politiker Volker Beck, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, bezeichnet die Sicherheitslage von Schwulen und Lesben in der Ukraine als „Besorgnis erregend“: „Angesichts der bevorstehenden Verabschiedung eines Gesetzes gegen ‚Propaganda für Homosexualität‘ nach russischem Vorbild in wenigen Wochen fühlen sich rechte Schläger und Hooligans offenbar ermutigt, auf ihre Art gegen Schwule und Lesben vorzugehen. Der grauenhafte Vorfall zeigt, dass die politische Stimmungsmache in der Ukraine auf der Straße fortgeführt wird.“