Erzbischof Woelki erkennt gute Absicht in Homo-Beziehungen an

Vom Saulus zum Paulus scheint sich der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zu wandeln: Galt der römisch-katholische Geistliche vor seiner Weihe als erzkonservativ und dem Opus Dei nahestehend, kann er gleichgeschlechtlichen Beziehungen nun zumindest eine gute Absicht anerkennen.

In einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ warnte Woelki davor, Lesben und Schwule zu verurteilen. Der Katechismus der römisch-katholischen Kirche warne davor, homosexuell veranlagte Menschen „in ungerechter Weise“ zurückzusetzen: „Wenn ich das ernst nehme, darf ich in homosexuellen Beziehungen nicht ausschließlich den Verstoß gegen das natürliche Gesetz sehen.“

„Ich versuche auch wahrzunehmen, dass da Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen, sich Treue versprochen haben und füreinander sorgen wollen, auch wenn ich einen solchen Lebensentwurf nicht teilen kann“, so der Kardinal weiter.

Die Lehre der Kirche müsse zwar beachtet werden, so der 55-jährige. Doch die Kirche sollte offener werden: „Vielleicht ist es ein Problem, dass heute in der Kirche immer alles fast überkorrekt gesehen werden muss“, so Woelki in der „Zeit“. „Es muss doch auch möglich sein, katholisch zu sein, ohne dass das bis ins Letzte immer überprüft wird.“

Vor seiner Ernennung zum Erzbischof von Berlin hätten ihm wohl wenige solche Worte zugetraut. Als Kölner Weihbischof verdammte Woelki Homosexualität als „Verstoß gegen die Schöpfungsordnung“. Einem Mann verweigerte er damals die Diakonatsweihe, weil er Jahre zuvor in einem Aufklärungsbuch geschrieben hatte: „Es gibt auch Männer, die Männer lieben“.

Das scheint sich nun geändert zu haben: Kurz nach seiner Ernennung zum Berliner Weihbischof nahm Kardinal Woelki eine Einladung des Lesben- und Schwulenverbandes zu einem Kennenlern-Gespräch an. In einem Fernsehinterview räumte er ein, auch ein Homosexueller sei wie jeder andere „ein Mensch, der liebenswert ist, ein Ebenbild Gottes“. Auf dem Deutschen Katholikentag, der vor kurzem in Mannheim stattfand, deutete Woelki sogar an, die römisch-katholische Kirche könnte künftig gleichgeschlechtlichen Paaren gegenüber liberaler werden.