Eröffnungsfeier der EuroGames ohne Besucher

Zusammentreffen der Athlethen vor der Eröffnungsfeier

Gestern Abend wurden die EuroGames in Budapest feierlich eröffnet. Die Hälfte der Ränge in der SYMA-Halle blieb allerdings leer: Aus Sicherheitsgründen wurden keine Besucher eingelassen.

Es war schon ein wenig gespenstisch, als ein Großteil der 3800 Athleten sich zu Fuß auf den Weg vom EuroGames Village beim Stadtpark zum Ort der Eröffnung machte: Zuerst mussten sie alle zusammenwarten, dann wurden sie von Sicherheitskräften eskortiert. Vor jedem Haus standen Polizisten, die Straßen wurden abgesperrt. Statt Feierstimmung gab es eher betretenes Schweigen.

Doch den wenigen Passanten, die sich das Spektakel zufällig angeschaut haben, gefiel der Marsch der bunten Truppe: Es gab keine Zwischenfälle, nicht einmal einzelne Beschimpfungen fielen.

Und so hob sich die Stimmung der Athleten: Die etwa 50 Menschen große russische Delegation begann gegen Schluss, Lieder zu singen.

In der Halle selbst war die Stimmung gemischt: Zum einen wurden Teams wie Lettland, Litauen oder die Ukraine, die aus ein bis zwei Teilnehmern bestanden, von der Menge frenetisch bejubelt, als sie alleine ihre Runde durch die Halle zogen, bis sie ihren Sitzplatz erreicht hatten. Zum anderen wollte keine rechte Feierstimmung aufkommen, anlässlich der halbleeren Ränge. Denn im Saal war kein einziger Besucher – nur die Teilnehmer und Funktionäre der EuroGames.

Der Einzug der Teams war überhaupt der Höhepunkt der Eröffnungsfeier. Die Franzosen bewarben ihre Kandidatur für die GayGames 2018 in Paris, die Niederländer hatten eine Choreografie einstudiert, und die Deutschen gingen unter ihrer Flagge durch. Als zum Schluss die Athleten aus Ungarn einmarschierten, gab es Standing Ovations von allen anderen Teilnehmern.

Denen versuchte die ungarische Europaparlamentarierin und frühere Außenministerin Kinga Göncz in ihrer Rede auch die Angst zu nehmen. Sie machte klar: „Budapest ist eine sehr liberale Stadt. Die anderen sind nur eine kleine Minderheit“.

Ulrike Lunacek, Grüne Europaparlamentarierin und selbst begeisterte Schwimmerin, lobte die Veranstalter: „Auch ohne die Unterstützung des Bürgermeisters habt ihr einen wunderbaren Job gemacht.“ Bürgermeister István Tarlós von der konservativen FIDESZ erklärte im Dezember, dass er die EuroGames ablehne, weil er „eine solche Lebensweise“ nicht befürworte.

Lunacek machte auch klar, was sie vom Säbelrasseln der Rechten gegen die EuroGames hielt. Gábor Vona, Chef der rechtsnationalen Bewegung „Jobbik“ sagte über die EuroGames: „Gott ist mein Zeuge – es ist nicht eine Art von Homophobie, sondern es gehört sich einfach, zu sagen, dass das wirklich das Ende der Welt ist“. Jobbik hält es für „unerträglich, dass im Jahr der olympischen Sommerspiele in London Ungarn die Schwulenolympiade beherbergen muss“. Die Veranstaltung müsse auf jede gesetzliche Weise verhindert werden, heißt es weiter in einem Hetzartikel. „Die Homophoben müssen gehen, nicht wir. Wir dürfen uns nicht zurück in den Schrank drängen lassen“, so die Europaparlamentarierin.

Und so war die Stimmung aufgelockert, als die Athleten nach der Eröffnung wieder zurück ins Pride Village gingen, um den Abend ausklingen zu lassen. Alle gemeinsam, und angeführt von einem Polizeiauto mit Blaulicht. Sicherheitshalber.

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