Rechtsextremer Politiker hetzt gegen EuroGames

Die EuroGames, die gestern in Budapest eröffnet wurden, seien eines „offene Provokation“, wettert Pál Losonczy, Budapester Parteichef der rechtsextremen Partei „Jobbik“.

Er empfiehlt den 3.800 Teilnehmern der größten schwul-lesbischen Sportveranstaltung Europas, die er despektierlich „Schwuchtelolympiade“ nennt, an einem einzigen Bewerb teilzunehmen: „Nach Hause laufen“. Er verstehe nicht, warum in Budapest eine Veranstaltung stattfinden sollte, an der 90 Prozent der Teilnehmer Ausländer seien.

Weiters bejammert der rechtsextreme Politiker, dass Budapest „ausgewählt wurde, um das Homo-Zentrum Osteuropas zu werden“, weil die Nachbarländer das Event nicht beherbergen würden.

Bereits seit einigen Tagen machen rechtsextreme Gruppierungen in Ungarn Stimmung gegen die EuroGames. Eine rechtsextreme Website hat in einem Artikel unter dem Titel „Die Jagdsaison hat begonnen“ Namen, Fotos und Facebook-Profile sämtlicher EuroGames-Organisatoren veröffentlicht.

Die Spiele finden dem entsprechend unter extremen Sicherheitsvorkehrungen statt: Metalldetektoren, Schleusen und ein umfangreiches Polizeiaufgebot auch an den einzelnen Spielstätten sollen Ausschreitungen verhindern.

Bis jetzt sind die Maßnahmen erfolgreich: Augenzeugenberichten zufolge gab es lediglich am ersten Tag vor dem Dürlin Center, in dem das EuroGames Village untergebracht ist, einen Versuch Rechtsradikaler, die EuroGames zu stören. Sie scheiterten bereits vor dem Gelände an der Polizei.

Tatsächlich ist die Chance, dass den Teilnehmern der EuroGames etwas passiert, relativ gering. Zu sehr fürchten die ungarischen Behörden schlechte Presse. Zuletzt hatten sich die diplomatischen Vertretungen 16 westlicher Staaten in Ungarn, darunter Österreich, Deutschland, Großbritannien, Kanada und die USA, in einer gemeinsamen Stellungnahme für das Recht der LGBT-Community stark gemacht, „große Events zu organisieren und sich auf friedlicher und gesetzeskonformer Art auszudrücken“.

Nächste Woche könnte das allerdings schon anders sein: Mit dem Ende der EuroGames eröffnet das schwul-lesbische Filmfestival in Ungarns Hauptstadt, nächstes Wochenende findet die Budapest Pride statt. Hier sind die Augen der internationalen Öffentlichkeit nicht so stark auf unser Nachbarland gerichtet – was bei Rechtsradikalen die Lust auf Attacken durchaus erhöhen könnte.

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