HOSI Linz muss Vereinszentrum schließen

Freitag, der 13. Juli 2012 wird als echter Unglückstag in die Geschichte der HOSI Linz eingehen: Die Lesben- und Schwulenorganisation hat bekanntgegeben, ihr neues Vereinszentrum zu schließen. Sie muss ausziehen, weil sie es sich nicht mehr leisten kann. „Wir haben 2012 nichts zu feiern. Zum 30. Geburtstag der HOSI Linz sind wir nämlich gezwungen, den Betrieb einzustellen“, so HOSI-Linz-Vereinssprecher Gernot Wartner.

Eröffnet wurde das Vereinszentrum in der Linzer Fabriksstraße erst im Mai 2009 – ein europaweit einzigartiges Projekt mit zwei kleinen Veranstaltungssälen, einem Seminarraum, Büros und dem Café „julius“, benannt nach einem der Gründer der HOSI Linz. Das „julius“ musste bereits Ende Mai zusperren. Gleichzeitig wurden auch fast alle Veranstaltungen abgesagt und das gesamte Personal gekündigt, da die Gehälter nicht mehr bezahlt werden können.

Ohne Personal konnten die mehr als 600 m² Nutzfläche aber nicht mehr sinnvol genutzt werden: „Da laufen nur noch Kosten auf, die in keiner Relation mehr mit den ehrenamtlich erbringbaren Leistungen sind. Dafür dass an drei, vier Tagen ein ehrenamtlicher Mitarbeiter einsam im Büro sitzt und die Post und die E-Mails beantwortet, brauchen wir keine 600 m²“, so Wartner.

Noch im Mai zeigte die HOSI Linz ihr Haus stolz einigen LGBT-Journalisten aus den Niederlanden, England und Deutschland vorstellen, die extra deswegen neben Salzburg und Wien auch in Linz Station gemacht haben. Dieses „Leuchtturm“-Projekt daher dennoch irgendwie aufrecht zu halten und weiterzuführen, war bis zum Schluss Bestreben des Vorstandes und der Aktivisten.

Die HOSI Linz ist nach wie vor überzeugt, dass die oberösterreichische Landeshauptstadt durchaus das Potential hätte, eine attraktive Stadt für Lesben und Schwule sein. Mit dem Ende zweier anderer Angebote allein in den letzten 12 Monaten und der angeblichen Schließung eines weiteren Lokals im Juli drohe hingegen die Austrocknung der Lesben-und Schwulencommunity in Oberösterreich, ist der Vereinssprecher der HOSI Linz pessimistisch.

Wie es mit der HOSI Linz weitergeht „steht noch in den Sternen“, so Wartner weiter: „Das wird sicher auch vom letztendlichen Schuldenstand abhängen. Vorerst sind bereits nahezu alle Aktivitäten ausgesetzt worden“, zeichnet er ein eher düsteres Bild von der Zukunft der HOSI Linz.

Eine Mitschuld am Ende des Vereinszentrums trägt wohl auch die Politik – denn sie konnte oder wollte den Lesben- und Schwulenaktivisten keine verbindlichen Förderungszusagen geben: „Wie sollen wir denn positiv wirtschaftlich arbeiten, wenn Mitte Juli immer noch nicht feststeht, wie viel Geld wir überhaupt dieses Jahr verplanen können? Da wird jedwede Planung obsolet“, so Wartner. Und er muss zugeben, „dass dieses großartige und zukunftsweisende Projekt gescheitert ist.“

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