Homophobe Schläger verfolgten in Berlin ihre Opfer bis in Restaurant

In Berlin ist nach einem schwulenfeindlichen Angriff Haftbefehl gegen einen der mutmaßlichen Täter erlassen worden. Die beiden Deutsch-Russen – ein 33-Jähriger und sein 31-jähriger Komplize – werden dringend verdächtigt, zwei Schwule im Stadtteil Schöneberg angegriffen zu haben – eines der Opfer wurde in einem Restaurant, in das sie sich geflüchtet haben, von den Tätern bewusstlos geprügelt.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden ein 23-Jähriger und ein 37-Jähriger an der Fuggerstraße von zwei stark betrunkenen Gästen einer Imbiss-Bude angepöbelt und mit Essen beworfen. Zunächst ignorierten sie deren homophoben Beleidigungen.

Die Täter verfolgten ihre Opfer bis in ein Restaurant

Doch die Betrunkenen hörten nicht auf: Sie verfolgten die Männer. An der Kreuzung Motzstraße/Martin-Luther-Straße stürzten sie sich auf ihre Opfer und begannen, sie zu treten.

Daraufhin flüchteten die Opfer in ein Restaurant in der Martin-Luther-Straße. Doch auch dorthin folgten ihnen die Täter.

Diese prügelten vor den Augen der anderen Gäste so lange auf den 37-Jährigen ein, bis dieser das Bewusstsein verlor. Er musste mit Gesichtsverletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Sein Begleiter kam mit leichten Verletzungen an den Beinen davon.

Täter kamen zunächst auf Freien Fuß

Die mutmaßlichen Täter flüchteten, konnten aber nach kurzer Zeit in der Nähe des Tatorts von der Polizei gestellt werden. Sie mussten sich Blut abnehmen lassen. Das Resultat: 1,4 und 1,7 Promille.

Anschließend kamen sie wieder auf freien Fuß. Das sorgte nicht nur in der Community für Empörung. Daraufhin erließ die Staatsanwaltschaft erneut Haftbefehl – und bekam am Sonntag von einem Richter recht: Wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung muss der 33-jährige Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Sein 31 Jahre alter Komplize blieb vorerst verschont. Er muss sich aber regelmäßig bei der Polizei melden und darf Berlin bis auf weiteres nicht verlassen.

Wie die Berliner Polizei berichtet, bestreiten die beiden Männer die Tat. Die Opfer konnten sie allerdings identifizieren. Den Tätern droht bis zu zehn Jahre Haft.

’Schwulenkiez’ Schöneberg Zentrum der homophoben Attacken

Homophobe Gewalt hat in den letzten Jahren in Berlin wieder leicht zugenommen: Wie das Anti-Gewalt-Projekt „Maneo“ berichtet, stieg die Zahl der Fälle und Hinweise von 415 im Jahr 2010 auf 420 im letzten Jahr. Davon waren 21 Prozent Körperverletzungen, der Rest waren vor allem Beleidigungen und Bedrohungen. Besonders bedenklich: Die Aufklärungsquote sank von 41 Prozent im Jahr 2010 auf 33 Prozent im Vorjahr.

Dabei gab es in Schöneberg mit 54 Fällen im Jahr 2011 berlinweit die häufigsten Angriffe wegen sexueller Orientierung. Danach folgen die Bezirke Kreuzberg mit 35 und Mitte mit 21 Fällen. Maneo geht davon aus, dass die Zahl der nicht gemeldeten Angriffe auf Schwule und Lesben noch höher ist.

Maria Tischbier, beim Berliner Landeskriminalamt (LKA) eine von zwei Ansprechpartnern für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, relativiert die Maneo-Zahlen: LKA-Daten weisen sogar einen leichten Rückgang bei Straftaten gegen die sexuelle Orientierung aus. „Daran lässt sich keine Tendenz ablesen“, sagt Tischbier dem Berliner „Tagesspiegel“. Sie vermutet allerdings auch, dass viele Attacken nicht angezeigt werden, etwa aus Scham.