‚HIV-Medikamente sofort für alle Infizierten‘

HIV-Positive sollen so früh wie möglich mit Medikamenten behandelt werden. Das fordert eine internationale Forschergruppe auf der 19. Welt-Aids-Konferenz, die derzeit in der US-Hauptstadt Washington stattfindet.

Derzeit findet eine Behandlung oft erst dann statt, wenn das Immunsystem bereits geschwächt ist. Das sei zu spät, kritisiert das Gremium der International Antiviral Society. Neue Studien hätten gezeigt, dass HIV-Infizierte auf diese Weise seltener an anderen Komplikationen erkrankten und ihre Partner seltener ansteckten.

Aids-Forscherin Melanie Thompson räumt ein: „Die geforderten Richtlinien sind ehrgeizig“ – doch sie können helfen, Leben zu retten. Gleichzeitig setzte sie sich für mehr Investitionen in die Früherkennung von Infektionen und bessere Behandlung von Patienten weltweit ein.

Immer mehr Virenstämme in Afrika sind resistent

Ein weiteres Problem ist, dass sich vor allem im Osten Afrikas Virenstämme ausbreiten, die gegen bestimmte Medikamente resistent sind. Das berichtet die Fachzeitschrift „The Lancet“.

Während vor 8 Jahren noch ein Prozent resistente Viren nachgewiesen wurde, waren es nun 7,3 Prozent bei unbehandelten Infizierten. Im südlichen Afrika sei die Quote von einem auf 3,7 Prozent angestiegen, so die Untersuchung. Eine ähnliche Tendenz gab es den Angaben zufolge in West- und Zentralafrika. Dabei handelt es sich um bestimmte HIV-1-Stämme, bei denen bestimmte Medikamente nicht mehr wirken. Sie lassen sich mit anderen Arzneimitteln behandeln, die aber in der Regel wesentlich teurer sind.

Etwa 90 Prozent aller weltweit rund 34 Millionen HIV-Infizierten leben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Im vergangenen Jahr erhielten etwa acht Millionen Menschen in ärmeren Regionen Medikamente gegen die Krankheit.