Security-Firma antwortet ‚Porn Trash‘-Opfer mit Anzeige

Im Fall des Besuchers eines schwulen Clubbings in Wien, der von Türstehern misshandelt worden sein soll, hat die betroffene Security-Firma jetzt Anzeige gegen das mutmaßliche Opfer erstattet.

Wie GGG.at bereits berichtet hat, soll am Rande des „Porn Trash“-Clubbings am 21. Juli in der Säulenhalle des Wiener Volksgarten ein Besucher Probleme mit dem Türsteher gehabt haben, weil er kein T-Shirt angehabt hat. Zum Schluss sollen fünf Securities Michael D. und seine Freunde unsanft aus dem Lokal befördert haben.

Michael D. war nach einer Bänderzerrung im rechten Bein vorübergehend arbeitsunfähig. Er hat sich bei dem Angriff in die Lippe gebissen sowie Knie und Ellenbogen aufgeschürft. Am Kopf hatte er eine Beule, am ganzen Köper blaue Flecken. Sein iPhone, das er in der Hose eingesteckt hatte, ging zu Bruch. Er erstattete Anzeige gegen die Türsteher.

„Opfer stürzte selbst, weil er betrunken war“

Doch nun hat der Anwalt der Security-Firma seinerseits gegen Michael D. Anzeige erstattet. Dieser sei selbst schuld gewesen, dass er aus dem Lokal geworfen wurde, erklärt der Wiener Anwalt Nikolaus Rast GGG.at den Standpunkt seines Mandanten. Weiters habe Michael D., so der Anwalt, einen Security verletzt.

Dessen Darstellung: Michael D. „war zum Zeitpunkt des Vorfalles stark alkoholisiert und weigerte sich trotz zweimaliger Aufforderung, sich sein T-Shirt anzuziehen. Schließlich versetzte er dem Securitymann einen Stoß“, so der Anwalt.

Danach wurde das spätere Opfer laut Rast „mit einem zweiten Securitymann in den Garten gebracht und kam dort aufgrund seiner Alkoholisierung zu Sturz“. Der zweite Security wollte ihm, so der Rechtsanwalt, lediglich aufhelfen, als Michael D. „in den Arm des Securitymannes biss und trotz der Schmerzschreie nicht von ihm abließ“, so der Anwalt der Gegenseite.

Wurde ein Security-Mann gebissen?

Ein ärztliches Attest oder Fotos der Bisswunde sind trotz Nachfrage noch nicht bei GGG.at eingetroffen. Dabei ist diese Verletzung der Grund, warum nach Angaben des Anwalts gegen Michael D. Anzeige erstattet wurde.

Und es könnte noch mehr rechtliche Ungemach auf das mutmaßliche Opfer zutreffen. Denn der Anwalt wurde von der Security-Firma berechtigt, „mit allen rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln straf- und zivilgerichtlich vorzugehen“.

Michael D. „wurde zur Unterlassung und Richtigstellung aufgefordert und wird zur Haftung für die meinem Mandanten entstandenen oder entstehenden Schäden herangezogen werden“, so Rast. Das könnte teuer werden, haben doch die Veranstalter nach dem Vorfall angekündigt, nicht mehr mit der Security-Firma zusammenarbeiten zu wollen.

Vorfall wurde Veranstaltern nicht gemeldet

Für den Betroffenen ist die Gegenanzeige ein Ablenkungsmanöver. Er weist die Vorwürfe des Anwalts der Gegenseite zurück. „Ich war weder so besoffen, dass ich nicht stehen konnte, noch war ich der Aggressor, der angefangen hat“, schüttelt er den Kopf. Er habe sich zwar gewehrt, als er zu Boden geworfen wurde, „aber ich hab sicherlich niemanden verletzen können“, so Michael D. zu GGG.at. Weiters habe er sich nicht in einen Security „verbissen“. Auch er hat sich einen Anwalt genommen.

Nach bisherigen Recherchen von GGG.at hat die betroffene Security-Firma bis zum Ende der Veranstaltung gegen sechs Uhr früh keine besonderen Vorkommnisse an die Veranstalter des „Porn Trash“ gemeldet. Was an dem Abend wirklich passiert ist, wird wohl erst ein Gericht klären müssen. Die Veranstalter des „Porn Trash“ haben dem Opfer ihre Unterstützung zugesagt.