Zuhälter ermordet – 2 Escorts vor Berliner Landgericht

In Berlin stehen derzeit zwei litauische Escorts for Gericht. Sie sollen in der Nacht zum 1. November 2011 ihren Zuhälter mit einem Polster erstickt haben. Danach floh einer der Männer in die USA – die Liebe zu einem NDR-Moderator brachte ihn aber Medienberichten zufolge dazu, zurückzukehren und sich zu stellen.

Der 19-jährige Jokubas S. und der ein Jahre ältere Sergejus A. haben gestanden, aus Verzweiflung ihren Zuhälter, ihren 37-jährigen Landsmann Renaldas D., ermordet zu haben.

Mit 16 zur Prostitution gezwungen worden

Nach Angaben der Angeklagten habe er sie nach Deutschland geholt, in einer Ein-Zimmer-Wohnung festgehalten und ihnen die Reisepässe abgenommen. Dann habe er sie als Escort teils prominenten Kunden vermittelt. Der gebürtige Litauer, der seit den 90ern in Berlin lebte und auch als Porno-Fotograf arbeitete, machte sie offenbar mit Drohungen und Schlägen gefügig.

Um der für sie ausweglosen Situation zu entfliehen, hätten sie beschlossen, ihren Peiniger zu töten. Sie fesselten den betrunkenen Renaldas D. in seiner Wohnung im Stadtteil Tempelhof und erstickten ihn mit einem Kopfpolster.

„Der Tod“, ließ Jokubas S. durch seinen Anwalt erklären, „war für mich der einzig mögliche Ausweg, diesem Tyrannen zu entkommen und in Zukunft keine Angst mehr vor ihm haben zu müssen.“

Die Angeklagten seien seit ihrem 16. Lebensjahr als Callboys zum Sex gezwungen worden. Der 19-Jährige sei nach Berlin gekommen, um Geld für ein Leben als Musiker in den USA zu finanzieren, sagte der Verteidiger von Jokubas S.

Wo ist die Kundenliste des Escort-Service?

Da sie nach dem Mord Gegenstände und Geld gestohlen hatten, um ihre Flucht zu finanzieren, stehen sie wegen Raubmords vor dem Berliner Landgericht. Der Raub sei aber nicht das Motiv gewesen, sondern nur eine „spontane Idee“ so die Angeklagten. Sie hätten in der Wohnung nach ihren Pässen gesucht, aber nur den des 20-Jährigen gefunden. Mit dem Mord wollten sie auch verhindern, dass Renaldas D. weitere junge Männer ausbeutet.

Brisant könnte es in dem Verfahren werden, wenn die Kundenliste des Escort-Service Thema des Prozesses werden könnte. „Bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sport“ sollen die Dienste in Anspruch genommen haben, wie die „Bild“-Zeitung schreibt

Beide Angeklagte mussten übrigens vor Prozessbeginn im Haftkrankenhaus behandelt werden. Sergejus A. wollte sich in der Jugendhaftanstalt umbringen. Jokubas S. wurde am 7. Juli zusammengeschlagen.

NDR-Moderator verliebte sich in Angeklagten und half ihm

Und in diesem Drama steckt auch eine Liebesgeschichte: Die vom Jokubas S. und dem 41-jährigen NDR-Moderator Frank Breuner. Die beiden Männer haben sich ineinander verliebt – Breuner kannte die bedrückende Situation des jungen Litauers.

Auch als Jokubas S. in die USA flüchtete, riss die Verbindung zwischen den beiden Männern nicht ab. „Wir hielten immer Kontakt, chatteten. Auch Liebesgedichte schrieben wir uns“, so Breuner in seiner Aussage.

Was er getan haben soll, erfuhr der NDR-Moderator erst, als die Polizei die Kundenliste des Escort-Services durchtelefonierte. Breuner konnte den mutmaßlichen Mörder überreden, sich der Polizei zu stellen. Wie die „B.Z.“ berichtet, zahlte er ihm sogar den Rückflug.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll sich das Paar sogar im Gefängnis verlobt haben. „Ich habe die Verantwortung für diesen außergewöhnlichen Menschen. Er ist hochintelligent“, sagte Breuner der Zeitung.

Presseagentur versucht „schwule Sippenhaftung“

Im Schatten dieser Liebesgeschichte leistet sich übrigens die Deutsche Presseagentur „DAPD“ einen schwulenfeindlichen Fauxpas erster Güte: Sie hat beim NDR angefragt, ob Breuner weiter seine Radiosendung „Mecklenburg-Vorpommern – Land und Leute“ moderieren dürfe, wo sein Verlobter doch wegen Mordes angeklagt sei. Der NDR ließ die Nachrichtenagentur abblitzen: Seine persönlichen Angelegenheiten seien seine Sache, heißt es knapp.

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