Madonna von russischen Politikern verklagt und als ‚Nutte‘ beschimpft

Russische Politiker sind empört darüber, dass Madonna sich bei ihrem Konzert in St. Petersburg für die Lesben- und Schwulencommunity eingesetzt hat. Jetzt will sie eine „Kinderschutzorganisation“ nach dem umstrittenen „Anti-Homo-Propaganda-Gesetz“ verklagen.

Madonna bleibt unbequem: Bei ihrem Konzert in St. Petersburg trat sie mit einer Sturmmaske auf dem Kopf auf und hatte den Schriftzug „Pussy Riot“ auf dem Rücken. ie nannte auch die Namen der drei seit Monaten inhaftierten Musikerinnen Nadja, Mascha und Katja und lobte ihren Mut, weil die Künstlerinnen scharf gegen Putin in der Erlöserkathedrale protestiert haben. Ganz klar: Sie setzt sich für eine Freilassung der kremlkritischen Frauen-Punkband ein, was in einem immer totalitärer werdenden Russland nicht gewünscht wird.

Außerdem hat sie vor ihrem Konzert rosarote Bändchen an die mehr als 20.000 Besucher verteilt. Ein Symbol, um sich mit den Lesben und Schwulen in St. Petersburg zu solidarisieren. Und von ihren Fans wurde sie unterstützt. Tausende Hände von Fans mit rosafarbenen Armbändern gingen als Zeichen der Solidarität in die Höhe, als sie ins Publikum rief: „Die Homosexuellen hier und überall auf der Welt haben die gleichen Rechte“. Dazu zeigte sie eine Regenbogenflagge, auf der „No Fear“ stand.

‚Anti-Homo-Gesetz‘-Initiator ließ Konzert mitfilmen

Der entsprechende Protest ließ nicht lange auf sich warten: „Wir werden nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft mit dem Spülwasser aus der höllischen Küche des Imperiums des Bösen gefüttert wird“, tobt der St. Petersburger Kommunalpolitiker Witali Milonow von der Putin-Partei „Einiges Russland“ auf seinem Blog. Er ließ über seine Sprecherin mitteilen, die Kinderrechtsorganisation „Elternkontrolle“ habe Madonna geklagt. Es seien „Schilder mit homosexuellen Symbolen“ sowie Lesben und Schwule zu sehen gewesen, die sich „provozierend“ benommen hätten.

Dabei seien unter den Konzertbesuchern auch Minderjährige gewesen, fügte die Sprecherin hinzu. Damit sei der Tatbestand des umstrittenen Gesetzes erfüllt. Und das weiß Milonow genau – er hat das umstrittene Gesetz mit initiiert. Um vor Gericht Beweismittel zu haben, filmten ein Spähtrupp Milonows sowie erzkonservativer russisch-orthodoxer Christen das Geschehen mit Dutzenden Kameras.

Putin-Vize bezeichnet Madonna als ‚Nutte‘

Und auch Dmitrij Rogosin, Vize-Regierungschef und Vertrauter von Präsident Wladimir Putin, hetzt gegen die Queen of Pop: „Leg das Kreuz ab oder zieh Dir einen Slip an!“, twitterte er bereits am Vortag. Am Tag des Konzertes wurde er direkter: „Der Teufel soll sie holen“, empfahl er Madonna über Twitter. Um dann nachzulegen: „Jene ehemalige Nutte, die einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, erlaubt sich Vorträge über Moral zu halten, insbesondere, wenn sie sich im Ausland auf Tournee befindet.“, so der als Scharfmacher bekannte Politiker nach dem Konzert.

Vor der Moskauer Erlöserkathedrale verbrennen wütende Christen ihr Porträt, in St. Petersburg zerreißen Gläubige das Bild „der Sünderin“ auf der Straße.

Madonna kann die Erregung der russischen Politiker nur recht sein – die Konzerte verkaufen sich nicht so gut wie erwartet, und je mehr sich die Damen und Herren aufregen, umso mehr Publicity gibt es für die Sängerin. Und sie kann Punkte sammeln im Match um das Image als Schutzheilige der Schwulen. Dort wird die 53-Jährige nämlich bereits von Lady GaGa abgehängt.