Drei von vier HIV-Positiven werden diskriminiert

Mehr als drei Viertel der HIV-Positiven in Deutschland wurden im letzten Jahr diskriminiert. Das geht aus der ersten Studie der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) zu diesem Thema hervor. Außerdem verlieren mehr Positive ihren Job aufgrund von Diskriminierung als aus gesundheitlichen Gründen.

Wie die Studie aufzeigt, hatten 84 Prozent der Kündigungen von HIV-Positiven mit Diskriminierung zu tun. Da wundert es nicht, dass sich fast zwei Drittel am Arbeitsplatz nicht als positiv outen. 29 Prozent gehen aber mit ihrer Infektion gegenüber ihrem Arbeitgeber offen um – und fahren dabei gut: Drei Viertel der Arbeitgeber reagierten darauf unterstützend oder neutral.

Doch nicht nur am Arbeitsplatz drohen HIV-Positiven Diskriminierungen: So wurde etwa jedem Fünften aufgrund seiner Infektion eine medizinische Behandlung verwehrt, beispielsweise beim Zahnarzt.

Geringeres Selbstwertgefühl, weniger Kontakt zur Familie

Bei 42 Prozent der Befragten sank ihr Selbstwertgefühl aufgrund ihrer Infektion, 30 Prozent haben sich von ihrer Familie zurückgezogen. Bei denen, die sich schon vorher von ihrer Familie ausgestoßen gefühlt haben, waren es sogar zwei Drittel.

„Die in der Befragung deutlich gewordene Diskriminierung im Alltag ist nicht überraschend, aber völlig inakzeptabel.“, ärgert sich auch Carsten Schatz, Vorstandsmitglied der DAH. Das Ziel bleibe eine diskriminierungsfreie Gesellschaft: „Die Politik und die gesamte Gesellschaft sind aufgerufen, sich dafür einzusetzen. Die Bundesregierung muss HIV-Positive und chronisch Kranke endlich ausdrücklich unter den Schutz des Allgemeinen Gesetzes zur Gleichbehandlung stellen. Arbeitgeber und Berufsverbände sind aufgefordert klarzustellen, dass HIV kein Hinderungsgrund ist, wenn es um die Ausübung des Berufes geht.“, fordert Schatz.

Und er ergänzt: „Nicht zuletzt kann sich jeder einzelne Mensch fragen, wo sein eigenes Denken und Handeln von Vorurteilen und Ängsten geprägt ist. Informationen und realistische Bilder vom Leben mit HIV sind die besten Mittel, damit umzugehen. Diskriminierung ist heilbar!“