Debatte um ‚Homo-Ehe‘ in Deutschland wird heftiger

In Deutschland hat die Debatte um eine Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule an Brisanz gewonnen. Grund dafür: CDU-Familienpolitikerin Katherina Reiche hat gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung abgewertet. Nach Kritik auch aus den eigenen Reihen ging sie einmal auf Tauchstation.

„Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Neben der Euro-Krise ist die demografische Entwicklung die größte Bedrohung unseres Wohlstands“, sagte Katherina Reiche, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg und Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium. Und düpierte damit auch ihren Chef Peter Altmayer, dessen eigene sexuelle Orientieriung immer wieder Thema in der deutschen Presse ist.

Kopfschütteln über Reiche auch bei der CDU

Mit dieser Meinung sorgte sie auch in der eigenen Partei für heftige Kritik: „Lasse mich und mein Leben nicht indirekt als ‚Bedrohung unseres Wohlstandes‘ diffamieren. Da geht die Kollegin zu weit“, ärgert sich der offen schwule CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn über Twitter. Und auch Tino Fischer, ebenfalls offen schwuler Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU) Potsdam, vermutet, „das humanistische Weltbild Frau Reiches scheint an ihrem Gartenzaun zu enden“.

Ins Rollen kam die Diskussion zunächst, als 13 Abgeordnete von CDU und CSU einen Offenen Brief veröffentlicht haben, in dem sie die steuerrechtliche Gleichstellung Eingetragener Lebensgemeinschaften mit der Ehe forderten. Nicht einmal so sehr aus weltanschaulichen Gründen. Sie befürchteten einfach, dass das Bundesverfassungsgericht auch diese Ungleichstellung bald aufheben wird – und damit der schwarz-gelben Koalition die nächste Ohrfeige verpasst.

FDP witterte Chance für mehr Gleichstellung von Homo-Paaren

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger von der FDP wollte daraufhin die Situation nutzen und gleichgeschlechtlichen Paaren mehr Rechte geben. Daraufhin verfielen Teile von CDU und CSU in die gewohnte Angriffstaktik, um das Abendland und Vater-Mutter-Kind-Familien mit allen Mitteln zu verteidigen. Mit ihren Äußerungen hat sich Reiche an die Speerspitze dieses konservativen Grüppchens gestolpert.

Von der unehelichen Mutter zur konservativen Säulenheiligen

Dabei galt Reiche einmal innerhalb der CDU einmal als recht fortschrittlich, was ihr Familienbild betraf: Die ersten beiden ihrer drei Kinder brachte sie unehelich zur Welt, was in der Partei für Irritationen sorgte. Doch das scheint sich nun geändert zu haben.

Kritik an der hochrangigen CDU-Politikerin kommt auch aus dem Internet. Die Facebook-Fanpage „Keine Zukunft mit Katherina Reiche“ hat bereits mehr als 7.600 Unterstützer, fast 2.000 Menschen forderten per Online-Petition ihren Rücktritt. Die Empörung im Netz ist riesig: Reiche sei „homophob“ oder eine „Hasspredigerin gegen Homosexuelle“ ist da zu lesen. Reiche selbst geht auf Tauchstation. Sie hat ihr Facebook-Profil zunächst deaktiviert. Heute gegen 13.00 Uhr ging es wieder online. Ohne ein Wort der Entschuldigung oder Erklärung.

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