Kanadas Protestanten wählen offen schwulen Vorsitzenden

Die größte protestantische Kirche Kanadas wird zukünftig von einem offen lebenden Schwulen geführt: Reverend Gary Paterson wurde in Ottawa zum Moderator der United Church of Canada gewählt. Diese ist nach der römisch-katholischen Kirche die zweitgrößte christliche Konfession des Landes.

Insgesamt hatten sich 15 Kandidaten zur Wahl gestellt, davon waren drei offen homosexuell. Nach sechs Wahlgängen, die acht Stunden dauerten, entschieden sich die Kirchenvertreter für den 63-jährigen Paterson. Die Delegierten bestätigten die Wahl dann einstimmig.

Bei seiner Bewerbung erklärte Paterson unter anderem, das er seit 30 Jahren mit Reverend Tim Stevenson zusammen und mittlerweile auch verheiratet ist. Stevenson wurde vor 20 Jahren als erster offen schwuler Pastor der United Church of Canada ordiniert. Aus einer früheren Ehe mit einer Frau hat Paterson, der auch eine Zeit in Deutschland gelebt hat, drei Töchter.

Er glaube nicht, dass seine sexuelle Orientierung bei der Wahl eine Rolle gespielt habe, erklärte Paterson Journalisten nach der Wahl. Dennoch glaubt er, seine Wahl habe eine historische Bedeutung – vor allem für viele junge Lesben und Schwule. „Viele Jugendliche, die noch immer mit ihrer sexuellen Orientierung hadern, könnten durch solche Vorbilder ermutigt werden“, hofft Paterson.

Die United Church of Canada, der rund 2,8 Millionen Kanadier angehören, gilt als sehr liberal. Sie entschied bereits 1988, dass Lesben und Schwule moralisch vor den Augen Gottes mit Heterosexuellen gleichgestellt seien. Auch war sie eine der ersten Kirchen, die gleichgeschlechtliche Paare segnete.