Sex mit Positiven ohne Kondom kann für Aidshilfe NRW ‚auch sicher‘ sein

Eine Kontroverse hat die Aids-Hilfe Nordrhein-Westfalen mit ihrer Position zum Kondomgebrauch ausgelöst: HIV-Positive mit einer gut verlaufenden Therapie und geringen Viruslast seien nicht mehr infektiös, sagte Vorstandsmitglied Arne Kayser in Düsseldorf – und widerspricht damit sämtlichen Empfehlungen, die in Deutschland gängig sind.

„Man kann also sagen, dass Sex ohne Kondom unter gewissen Umständen auch sicher ist“, erklärte Kayser weiter. Zum Verzicht auf Kondome will er seine Wortmeldung aber nicht verstanden wissen. Im Zweifelsfall müssten die Partner selbst entscheiden, wie sie sich verhalten.

Die Schutzwirkung der Therapie dürfe nicht dazu führen, „Menschen gegen ihren Willen und ohne medizinische Notwendigkeit vorzeitig zu einer Therapie zu überreden, um mögliche Ansteckungen zu verhindern“, so der Aids-Hilfe-Vorstand. Die positiv Getesteten, so Kayser, müssten selbst entscheiden, „ob sie sich sofort einer Therapie unterziehen möchten, zu einem späteren Zeitpunkt oder gar nicht“.

Bei der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens von den Grünen führen Kaysers Aussagen zu Kopfschütteln: „Berichte über medizinische Fortschritte bei der Aids-Bekämpfung sind wichtig, denn sie dienen sowohl der Motivation für Betroffene, frühzeitig und konsequent ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, als auch der Entstigmatisierung von Aidskranken. Dabei darf aber auf keinen Fall übersehen werden: Trotz aller medizinischen Fortschritte bleiben Kondome die sicherste Methode der Vermeidung von Aids und anderer sexuell übertragbarer Infektionen“, erklärt sie der „Rheinischen Post“.

Auch die staatliche „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ in Köln betont: Trotz aller Fortschritte bleiben Kondome der beste Schutz vor Ansteckung.