Schwuler Bundesliga-Profi spricht über sein Versteckspiel

Es ist eine kleine Sensation: Zum ersten Mal hat ein schwuler Spieler der deutschen Fußball-Bundesliga ein Interview gegeben – und zwar dem Journalisten Adrian Bechthold für den „Fluter“, dem Magazin der Bundeszentrale für politische Aufklärung. Bedingung für das Gespräch: Der Profi wollte anonym bleiben.

Die Debatte über Homosexualität im Fußball gibt es schon seit mehreren Jahren – doch auch, wenn immer wieder die gleichen Namen genannt werden, hat sich noch kein Spieler in einem Interview zu seiner Homosexualität bekannt. Das dürfte auch an öffentlichen Aussagen vor allem ehemaliger Spieler und Trainer liegen. Eine neue Generation von Fußballern, wie der Bayern-Spieler Philipp Lahm, setzen sich für die Rechte von Lesben und Schwulen ein, auch im Fußball – und raten aktiven Spielern trotzdem von einem Outing ab.

„Ich weiß nicht, wie lange ich den Druck noch aushalte“

Das Interview macht auch klar, warum. Der anonyme Spieler gibt zu, sich für seinen „gelebten Traum von der Bundesliga“ selbst zu verleugnen: „Am Anfang war es ein großes Spiel und kein Problem, doch mit der Zeit zehrt es sehr an mir. Ich weiß nicht, ob ich den ständigen Druck zwischen dem heterosexuellen Vorzeigespieler und der möglichen Entdeckung noch bis zum Ende meiner Karriere aushalten kann“, gesteht er dem „Fluter“.

Dass er sich in der Öffentlichkeit nicht outen kann, liegt auch darin, dass Fußballer „das männliche Stereotyp schlechthin“ seien – und Fans würden seiner Meinung nach nicht verstehen, dass Schwule „eigentlich auch nur ganz normale Männer sind“. Doch er fürchtet auch „die Geschichten, Titelseiten und Magazine“: „Alle würden gerne rausfinden, was ich wohl Schlimmes mit meinem Partner unter der Bettdecke anstelle. Wer beim super-männlichen Fußballspieler wohl unten und wer oben liegt“, fürchtet der Bundesliga-Spieler.

Schwule Fußballer: In der Liga ein offenes Geheimnis

Dabei ist innerhalb der Bundesliga seine sexuelle Orientierung kein Geheimnis. „Ich kenne keinen Spieler in der ganzen Liga, der damit ein Problem hat. Es gibt sogar manche, die mit großem Interesse nachfragen“, erinnert sich der Spieler. Die Kollegen seien – trotz ihres schlechten Rufes – tolerant. Er sei auch nicht der einzige, verrät der Bundesliga-Profi. Man kenne sich, erklärt er dem „Fluter“. Richtig vernetzt sei man aber nicht – das „wäre wohl auch etwas zu auffällig“.

Seine Hoffnung: Vielleicht könnten sich mehrere Spieler outen, damit auch er eines Tages mit seinem zukünftigen Partner ganz normal ins Restaurant gehen kann – doch auch das sieht der Fußball-Profi in absehbarer Zeit nicht. Trotzdem ist das Interview für ihn ein „erster Schritt“: „Ich probiere mich gerade dabei selbst aus.“

Links zum Thema