Milchpackungen in St. Petersburg als ‚Homo-Propaganda‘?

In St. Petersburg scheint bei manchen Menschen ihre Homophobie in Paranoia umzuschlagen: Eine Gruppe möchte gegen Milchpackungen demonstrieren, weil diese einen Regenbogen zeigen – und das sei schließlich das internationale Symbol der Homosexuellenbewegung…

Wie die Internet-Seite „Russland aktuell“ meldet, möchte Anatoli Artjuch, örtlicher Leiter der Gruppe „Volkskonzil“ Milch und Kefir der Marke „Fröhlicher Milchmann“ verbieten lassen. Denn auf den Verpackungen ist ein Regenbogen zu sehen.

„Das ist das internationale Symbol der Homosexuellen-Bewegung. Das ist offene Propaganda dieses Lasters“, erklärte Artjuch empört der Nachrichtenagentur Interfax. Er rief die Petersburger Bevölkerung auf, die Produkte zu boykottieren, bis die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen die Molkerei beendet hat.

„Propaganda“ von Homosexualität ist in St. Petersburg verboten, wenn Minderjährige sie mitbekommen könnten – was schwules und lesbisches Leben in der Stadt an der Newa fast vollständig verbietet. Eingebracht wurde das Gesetz von Vitali Milonow, einem Abgeordneten der Putin-Partei „Einiges Russland“. Vor einigen Tagen hatte dieser erst behauptet, Homosexualität sei durch Beten und Fasten heilbar.

Im Kampf gegen die Rechte von Lesben und Schwulen ist „Volkskonzil“ keine unbekannte Gruppe: Sie haben bereits Madonna auf umgerechnet über 8 Millionen Euro verklagt, weil sie bei ihrem Konzert in St. Petersburg „Homosexualität propagiert und die Gefühle von Gläubigen beleidigt“ haben soll.