Das Netz um ‚kreuz.net‘ wird langsam enger

Der Kampf gegen „kreuz.net“ geht in die nächste Runde: Nun kümmert sich auch die Staatsanwaltschaft Berlin um die Hetz-Seite. Ein Aktenzeichen ist angelegt, in Kürze wollen sich Beamte der Behörde mit Sissy Kraus, der Rechtsanwältin der Kampagne „Stoppt kreuz.net“ treffen. Verwertbare Verdachtsmomente gebe es aber noch keine, berichtet das schwul-lesbische Nachrichtenportal „queer.de“. Die Bischöfe in Deutschland und Österreich gehen unterdessen auf Tauschstation.

„Viele Informationen“ aus kirchlichen Kreisen

David Berger, Theologe und Koordinator der Aktion, habe bereits „mehrere hundert Hinweise zu den anonymen Schreibern“ erhalten. Viele davon stammten aus kirchlichen Kreisen. Aus Angst, selbst von den „kreuz.net“-Machern diffamiert zu werden, sei aber kaum ein Informant bereit, sich auch vor Gericht zu äußern. Trotzdem gebe es einige viel versprechende Hinweise. „Wir geben alle Hinweise an die Staatsanwaltschaft weiter, die muss dann im Einzelfall prüfen, ob die Indizien für eine Hausdurchsuchung ausreichen“, erklärt Berger. War der Hinweis erfolgreich, warten bis zu 16.000 Euro auf den Informanten. Die Prämie wurde zu einem Großteil vom Bruno Gmünder Verlag ausgelobt und von anderen Interessierten erhöht. Auch das Landeskriminalamt Berlin hat seine Ermittlungen gegen „kreuz.net“ intensiviert.

Das Internet schlägt zurück: Wird Domain entzogen?

Unterdessen wird auch an anderen Fronten gegen „kreuz.net“ gekämpft. So berichtet „queer.de“ weiter, dass Berger versucht, den Radikal-Katholiken ihre mittlerweile äußerst bekannte Domain zu entziehen. Nur mäßig erfolgreich war hingegen die Aktion eines der Provider, der „kreuz.net“ den Account gekündigt hat, weil die Seite gegen die Geschäftsbedingungen verstoße: Die Seite ist mehrfach im Netz vorhanden, ein Umzug auf einen neuen Provider geht für die Hass-Schreiber recht problemlos.

Wie der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) berichtet, sind in mehreren deutschen Städten Anzeigen gegen kreuz.net eingegangen, unter anderem in Berlin, Köln und Frankfurt.

Römisch-katholische Amtskirche schweigt

Keinen Kommentar gibt es hingegen von offiziellen Vertretern der römisch-katholischen Kirche. Letzte Woche hatte die Kampagne „Stoppt kreuz.net“ auch die Bischöfe in Deutschland und Österreich aufgefordert, zu handeln. Außer den üblichen Distanzierungen gab es allerdings keine Stellungnahme.

Das empört wieder den offen schwulen Bundestagsabgeordneten Volker Beck von den Grünen: Das Portal rühme sich damit, von Mitarbeitern der römisch-katholischen Kirche betrieben zu werden – also solle diese auch aktiv nach den Hintermännern suchen, fordert er in einem Brief an den Freiburger Bischof Robert Zollitsch.

Dabei könnte „kreuz.net“ auch innerkirchlich zum Problem werden: Das Hetz-Portal dürfte auch beste Kontakte zu innerkirchlichen Kreisen haben. So stellte es im Juli 2011 ein internes Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz online, in dem es um den Umgang mit Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich ging. Das Papier, dessen Grundlage dieses Schreiben war, wurde allerdings erst 2012 veröffentlicht.