Sizilien bekommt offen schwulen Gouverneur

In Italien hat ein offen schwuler Kandidat bei den Regionalwahlen in Sizilien den Kampf um den Posten des Gouverneurs gewonnen. Der 62-jährige Europa-Abgeordnete Rosario Crocetta, ehemaliger Bürgermeister der sizilianischen Stadt Gela, setzte sich mit 30,5 Prozent der Stimmen gegen den Kandidaten der Berlusconi-Partei PdL, Nello Musumeci, durch.

Musumeci galt ursprünglich als Favorit. Dem entsprechend bezeichnete Crocetta seinen Triumph als „überraschenden Sieg“, der auch seiner Partei, der „Partito Democratico“ (PD), Auftrieb für die Parlamentswahlen im Frühling gibt.

Dass ausgerechnet in Süditalien ein schwuler Politiker Gouverneur wird, mag verwundern. Doch Crocetta hat dafür eine gute Erklärung: „Es gibt einen großen Respekt für den Einzelnen, dadurch ist der Süden weniger homophob als der Norden.“ Im August erklärte er: „Nachdem er das Gefängnis in England verlassen hatte, flüchtete Oscar Wilde nach Palermo. So gesehen müssen die Leute noch viel über den Süden lernen.“

Crocetta sitzt für die PD seit 2010 im Europaparlament. In Sizilien wird der offen schwul lebende Politiker und gläubige Katholik auch als Anti-Mafia-Aktivist geschätzt. Dem entsprechend hat er in seiner Wahlkampagne auf Transparenz und Kampf gegen die Mafia gesetzt.

„Mir ist ein Wunder gelungen, indem ich ganz unterschiedliche Bewegungen und Parteien überzeugt habe, mich zu unterstützen“, erklärt Crocetta seinen Sieg. Er war als gemeinsamer Kandidat einer heterogenen Koalition aus PD, christdemokratischer UDC und mehreren Bürgerlisten ins Rennen gegangen.

Ein Beamter vor Ort erinnert sich an die Zeit, in der Crocetta noch Bürgermeister von Gela war: „Die Mafiafamilien mögen sich über Crocettas sexuelle Orientierung lustig gemaht haben, aber dass er Geschäftsleuten Rückhalt gegeben hat, kein Schutzgeld zu zahlen, hat sie wirklich verrückt gemacht“. In einem abgehörten Gespräch hat ein Mafiaboss den Politiker entnervt als „Kommunistenschwuchtel“ bezeichnet.

Die große Überraschung war die von dem Komiker Beppe Grillo gegründete Protestbewegung „Fünf Sterne“. Auf sie entfielen 14,9 Prozent der Stimmen. Damit rückte die populistische Gruppierung zur stärksten Einzelpartei Siziliens auf.

Das Regionalparlament in Palermo wurde im Juli 2011 aufgelöst, nachdem der amtierende Präsident Siziliens, Raffaele Lombardo, das Handtuch werfen musste. Er musste nach einem Skandal wegen mutmaßlicher Mafia-Verstrickungen und eines Riesenlochs im regionalen Budget im Juli zurücktreten.