Französische Regierung verabschiedet Gesetzesentwurf zur Ehe-Öffnung

Frankreich macht ernst mit der Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare: Die Regierung hat heute einen entsprechenden Gesetzesentwurf verabschiedet. Es ist vorgesehen, homosexuellen Paaren Ehe und Adoption zu öffnen.

Das Gesetz soll im ersten Halbjahr 2013 in Kraft treten, versichert Premierminister Jean-Marc Ayrault. Die Öffnung der Ehe sei ein Fortschritt „nicht nur für einige, sondern für die gesamte Gesellschaft“, so der sozialistische Präsident François Hollande. Im Jänner soll der Entwurf dann die Nationalversammlung passieren.

Sturm gegen die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare laufen die konservative Opposition sowie die römisch-katholische Kirche. Mitglieder der konservativen UMP haben bereits versprochen, die Homo-Ehe wieder rückgängig zu machen, sollten sie wieder an die Macht kommen. Manche bürgerlich-rechte Bürgermeister, die gerade in kleinen Gemeinden auch als Standesbeamte fungieren, wollen Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare ablehnen.

Und auch die Kirche macht mobil: Bei einer Bischofskonferenz im Wallfahrtsort Lourdes kritisierte Kardinal Andre Vingt-Trois die Pläne der Regierung als Irrtum. Sie würden „die Fundamente der Gesellschaft ins Wanken bringen“. Vingt-Trois, der Erzbischof von Paris, forderte „eine breite nationale Debatte“ über das Thema. Seiner Meinung nach geht das jetzige Vorhaben auf den Druck von Lobbyisten zurück.

Bereits seit 1999 können homo-, aber auch heterosexuelle Paare in Frankreich einen Zivilpakt (PACS) mit eingeschränkten Rechten und Pflichten, zum Beispiel im Steuerrecht, eingehen. Französische Lesben- und Schwulenverbänden war das immer zu wenig: Sie beharrten auf Gleichstellung, zum Beispiel im Erbrecht oder bei der Hinterbliebenenpension.

Bei der Öffnung der Ehe weiß Präsident Hollande eine breite Mehrheit der Franzosen hinter sich: Einer aktuellen Umfrage der Zeitung „Le Parisien“ zufolge sind 58 Prozent der Franzosen für die Homo-Ehe. Die Zustimmung ist demnach allerdings gegenüber einer früheren Befragung um fünf Punkte gesunken.