Beschließt Uganda heute das Anti-Homo-Gesetz?

Das Parlament von Uganda will heute über das umstrittene „Kill the Gays“-Gesetz abstimmen. Das berichtet ein Korrespondent der Tageszeitung „Der Standard“.

Lebenslange Haft für schwulen Sex

Das Gesetz, das offiziell „Anti Homosexuality Bill“ heißt, hat in seiner ersten Fassung die Todesstrafe für „besonders schwere“ Fälle von schwulem Sex vorgesehen. Nach internationalen Protesten wurde es entschärft, nun droht in entsprechenden Fällen lebenslange Haft.

Unter Strafe gestellt werden sollen „homosexuelle Propaganda“, Sex mit Minderjährigen und wiederholter homosexueller Sex unter Erwachsenen. Das Gesetz wurde schon zwei Mal seit 2009 abgelehnt, heute dürfte es aber beschlossen werden.

Die Saat christlicher Fundamentalisten ist aufgegangen

Dabei galt Uganda bis vor kurzem als eines der Länder in Subsahara-Afrika, die als eher liberaler gegenüber Homosexuellen galten. Auch, wenn das nur bedeutete, dass Schwule nur verprügelt und nicht gelyncht wurden – es gibt in Uganda derzeit noch 17 Organisationen, die sich um die Rechte von Lesben und Schwulen kümmern. Eine von ihnen, Sexual Minorities Uganda (Smug), bereitet mit anderen Aktivisten bereits eine Verfassungsklage gegen das Gesetz vor.

Dass sich das Klima gegenüber Homosexuellen so verschlechtert hat, ich vor allem dem Einfluss fundamentalistisch-christlicher Gruppen zu verdanken. Sie haben Homosexualität als „unafrikanisch“ und „von den Kolonialmächten importiert“ gebrandmarkt. Dabei hatte Uganda noch um die Jahrhundertwende einen offen schwulen König.

Und die Propaganda hatte Erfolg: Laut Umfragen sind bis zu 90 Prozent der Ugander dafür, Homosexualität unter Strafe zu stellen, sämtliche Kirchen des Landes, auch die katholische, sind ebenfalls dafür.

Schöpfer des Gesetzes will Lesben und Schwule „heilen“

Im Gespräch mit dem „Standard“ hofft David Bahati, der das Gesetz eingebracht hat, nach dessen Beschluss „zahlreiche neue Zentren zur Behandlung und Heilung Homosexueller“ eröffnen zu können: „Wir müssen die rasende Verbreitung und agressive Propaganda der Homosexuellen stoppen“, sagt er. „Es geht um den Schutz unserer Kinder, der Familie und darum, das christliche Gesetz zu stärken“, ist sich Bahati sicher.

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