Hollande macht bei Homoehe erste Zugeständnisse an Konservative

Nach heftigen Protesten mit mehr als 100.000 Teilnehmern macht der französische Präsident François Hollande nun erste Zugeständnisse bei der Öffnung der Ehe und Adoption für Lesben und Schwule.

So sollen konservative Bürgermeister, die in kleineren Gemeinden auch oft als Standesamte fungieren, nicht gezwungen werden, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. Sollten auch seine Stellvertreter sich weigern, könnten die Delegationsmöglichkeiten erweitert werden, so Hollande. Dann würden auch niedere Beamte Homoehen schließen können.

Auf jeden Fall werde die Glaubensfreiheit respektiert, betonte der französische Präsident gestern vor Städtevertretern. Zuvor hatten rund 2.000 konservative Bürgermeister in einer Unterschriftenaktion das Recht eingefordert, Eheschließungen für Schwule und Lesben ablehnen zu dürfen.

Die Öffnung der Ehe und der Adoption für homosexuelle Paare soll Anfang 2013 im Parlament diskutiert und noch im ersten Halbjahr beschlossen werden. Hatte Hollande zunächst angekündigt, homo- und heterosexuelle Paare komplett gleichzustellen, scheint es nun zu immer mehr Einschränkungen zu kommen. So soll dem Entwurf zufolge auch das Recht auf künstliche Befruchtung heterosexuellen Paaren vorbehalten bleiben.

Für die konservative Oppositionspartei UMP sind die Kompromisse, die Hollande nun eingehen will, ein Zeichen, „wie mulmig der Präsident mit dem Projekt ist“, so UMP-Chef Jean-François Copé. Mit seinen Plänen zu Homoehe und Adoption würde er „den Zusammenhalt der französischen Gesellschaft gefährden“, so Copé im französischen Fernsehen.