HOSI Wien erstattet Strafanzeige wegen ‚Abdullah-Zentrum‘

Heute wird in Wien das „Abdullah-Zentrum für Interreligiösen Dialog“ (KAICIID) unter dem Beisein von UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon und zahlreicher weltlicher und religiöser Würdenträger eröffnet, bis hin zu einem hochrangigen Vertreter des Vatikans. Einzig: Beim Erwerb des Wiener Palais Sturany als Sitz für die internationale Organisation könnte sich Saudi-Arabien illegal Steuern gespart haben, warnen die HOSI Wien und die Initiative „Religion ist Privatsache“. Sie haben deshalb Strafanzeige eingebracht.

Steuertricks auf Geheiß des Außenministeriums?

Wie der Wiener Anwalt Wolfgang Renzl bei einer Pressekonferenz erklärte sind ausländische Staaten zum steuerfreien Erwerb von Grundstücken oder Gebäuden berechtigt, wenn dort ihre diplomatischen Vertretungen einziehen. Das Abdullah-Zentrum sei allerdings keine Botschaft oder Konsulat, sondern um eine internationale Organisation, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gegründet gewesen sei. Deshalb seien dem Bund durch eine Intervention des Außenministeriums 700.000 Euro Grunderwerbssteuer entgangen. Dessen Chef, Außenminister Michael Spindlegger, ist übrigens einer der Ehrengäste der heutigen Eröffnung.

“Liberales Feigenblatt“ für die „Steinzeit-Moslems“ in Saudi-Arabien?

Dass Saudi-Arabien sich mit dem Abdullah-Zentrum einen offenen und liberalen Anstrich geben will, geht Kurt Krickler, Generalsekretär der HOSI Wien, besonders gegen den Strich. „Saudi-Arabien ist ein mittelalterlicher Gottesstaat“, erklärt Krickler: Immerhin ist es einer von sieben Staaten, in denen auf Homosexualität die Todesstrafe stehe. Mit der Beteiligung an dem Zentrum mache sich Österreich zum „Erfüllungsgehilfen“ der Golf-Monarchie und dem Vatikan, der ebenfalls Gründungsstaat ist, warnt Eytan Reif von „Religion ist Privatsache“.

Die Initative und die HOSI Wien sind nicht die einzigen Gruppen, die dem „Abdullah-Zentrum für Interreligiösen Dialog“ misstrauisch gegenüberstehen: Der Grüne Klub hat im Parlament eine Mahnwache angekündigt. Sie kritisieren, es gehe Österreich um Wirtschaftskontakte mit den Golfstaaten und Saudi-Arabien um ein „Feigenblatt“ für seine religiöse Intoleranz. Eine Mahnwache mit „symbolischem“ Hungerstreik will auch die Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ) während der Eröffnungsfeier „des dubiosen wahabitischen Sekten-Zentrums“ veranstalten. Auch die FPÖ warnte vor „Hetze“ von wahhabitischen „Steinzeit-Moslems“ und einer Untergrabung des österreichischen Sicherheitsinteresses.

Vatikan verteidigt Saudi-Arabien und das Abdullah-Zentrum

Das weisen sowohl Saudi-Arabien als auch der Vatikan zurück. Generalsekretär Bin Abdulrahman betonte im Vorfeld, dass es keinen politischen Einfluss Saudi-Arabiens auf das Zentrum gebe. Auch Vatikan-Sprecher Federico Lombardi betonte, das Zentrum sei „eine unabhängige internationale Institution“. Zurückhaltender äußert sich hingegen Rabbi David Rosen, der das Judentum im Dialogzentrum vertritt. Er sagte: „Wir müssen erst beweisen, dass die Initiative echt ist.“

Anstoß für die Gründung des Zentrums soll ein Treffen von König Abdullah mit dem Papst im Jahr 2007 gewesen sein. Saudi-Arabien hat für den laufenden Betrieb für die ersten drei Jahre zehn bis 15 Millionen Euro an Spenden zugesichert. In Saudi-Arabien selbst ist der „interreligiöse Dialog“ jedenfalls nicht erwünscht: Christen und anderen Religionen als dem Islam ist jede religiöse Betätigung strengstens untersagt. Kreuze und andere Symbole dürfen nicht zur Schau gestellt, religiöse Bücher nicht eingeführt werden.