Hass-Seite ‚kreuz.net‘ nicht mehr online

Die Hetz-Seite „kreuz.net“ ist aus dem Internet verschwunden – zumindest vorübergehend. Als Sonntag vormittag im ganzen Land die Kirchenglocken zum 1. Advent läuteten, waren die Artikel der radikalkatholischen Hass-Seite bereits aus dem Netz verschwunden. Doch Experten warnen: Die Hetzer könnten jederzeit wiederkommen – auf der bekannten oder einer anderen Webadresse.

Macher von „kreuz.net“ werden nervös

Offenbar sind die noch immer unbekannten Betreiber von „kreuz.net“ gerade dabei, ihre Spuren im Web zu verwischen. Bereits am Samstag hatten die Macher von „kreuz.net“ angefangen, alle IP-Adressen und Autorennamen aus Artikeln zu streichen, um jegliche Spuren auf Personen zu verwischen.

Dabei sind sie gründlich: Die Seite ist derzeit nicht nur einfach nicht erreichbar – die Domain wurde aus dem DNS-Verzeichnis der Internet-Adressen gelöscht. Dass die Betreiber die Seite entfernten, bevor es die erste Hausdurchsuchung gab, könnte ein Indiz dafür sein, dass die Ermittler auf die richtigen Fährten gesetzt haben.

Für den Koordinator der Aktion „Stoppt kreuz.net“, den Theologen David Berger, ist das ein Erfolg des öffentlichen Drucks, den die Aktion in den letzten Wochen aufgebaut hat. Denn auch innerhalb der Kirche dürften der Hass-Seite zahlreiche Zulieferer und Informanten abgesprungen sein. Offenbar fürchteten sie, entlarvt zu werden. Nach Bergers Beobachtung stellte „kreuz.net“ in den letzten Tagen mehrere Artikel erneut online, die nahezu wortgleich bereits erschienen waren – offenbar aus Materialmangel.

Bruno Gmünder Verlag: „Hintermänner sollen sich stellen“

Auch Tino Henn, Geschäftsführer des Bruno Gmünder Verlags, ist zufrieden. Sein Verlag hat die Aktion „Stoppt kreuz.net“ ins Leben gerufen und eine Kopfprämie auf die Macher ausgesetzt. „Spätestens jetzt zeigt sich, dass sich unsere Kampagne bewährt. Als Verlag der schwulen Community wollten wir ein klares politisches Zeichen setzen, dass wir Hassreden in unserer Gesellschaft nicht dulden dürfen. Unsere ‚Kopfprämie‘ auf die Namhaftmachung der Hintermänner war anfangs umstritten, zeigt jetzt aber immer mehr Erfolg. Wir rufen die Macher und Zuträger von ‚kreuz.net‘ jetzt dringend auf, sich ihrem Bischof oder noch besser der Polizei zu stellen. Nur so werden sie im Gerichtsverfahren mildernde Umstände bekommen“, so Henn.

Schweigen zu dem Thema kommt dabei von den Bischofskonferenzen in Deutschland und Österreich. Sie haben sich beim Kampf gegen „kreuz.net“ beide nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zwar erklärten sie die Seite offiziell für „unkatholisch“, doch das war es dann auch schon. Berger vermutet, dass die Amtskirche weitere peinliche Enthüllungen über noch mehr Pfarrer als Verfasser von Hetzartikeln fürchtet.

Doch Grund zur Entwarnung gibt es noch nicht: Denn Berger hält es für wahrscheinlich, dass die Betreiber der seit 2004 existierenden Seite einen Neuaufbau unter einem neuen Namen planen – und ihre perfide Propaganda von dort fortsetzen. Außerdem sei denkbar, dass die Betreiber nur vorübergehend in Deckung gehen, bis die große mediale Empörung abgenommen habe, oder ein Server-Umzug durchgeführt wird.

Kirche sehr nachgiebig zu enttarnten „kreuz.net“-Autoren

Denn das Netz rund um die Macher von „kreuz.net“ wurde enger. Immer wieder tauchten Namen in den Medien auf, unter anderem der Aachener Pfarrer Guido Rodheudt, Sprecher des erzkonservativen „Netzwerks katholischer Priester“. Sein Kollege Hendrick Jolie aus dem Bistum Mainz gab den Sprecherposten vor wenigen Tagen auf, nachdem er als Autor von Beiträgen auf „Gottes eigenem Portal“ – so die Selbstdefinition das Hass-Seite – enttarnt worden war. Die kircheninternen Konsequenzen für Jolie waren aber sehr milde: „Jedenfalls hat sich Kardinal Lehmann damit begnügt, einem Pfarrer aus seinem Bistum zu verzeihen, der seine jahrelange Mitarbeit bei kreuz.net nach anfänglichem Leugnen schließlich eingeräumt und als ‚Fehler bekannt hat‘“, ärgert sich Manfred Bruns, Sprecher des deutschen Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD).

Spur nach Linz konnte nicht bestätigt werden

Wie die zur DuMont-Gruppe gehörenden Zeitungen „Frankfurter Rundschau“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichten, soll in Österreich der Linzer Roland Noé ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sein. Noé betreibt das gemäßigtere konservative Portal „kath.net“, das von 2001 bis 2005 von der österreichischen Bischofskonferenz unterstützt wurde. Derzeit bekommt es jährlich eine Finanzspritze von 20.000 Euro von der Organisation „Kirche in Not“.

Noé selbst wehrt sich gegen die Verdächtigungen: Auf „kath.net“ heißt es: „Diese Behauptung ist falsch. Gegen ‚kath.net’ oder auch Roland Noé wird nicht ermittelt. Dies hat die Staatsanwaltschaft Berlin am Montag Vormittag gegenüber ‚kath.net‘ bestätigt.“ Berger wollte sich über diesen Verdacht nicht äußern, „kath.net“ hat angekündigt, rechtliche Schritte zu ergreifen.

Dass „kreuz.net“ gerade jetzt verschwindet, legt für Bruns den Verdacht nahe, dass die römisch-katholische Kirche auf das Portal mehr Einfluss hat als sie zugibt: Er sieht seine Vermutungen bestätigt, dass die Kirche „das Hassportal jahrelang (wohlwollend?) geduldet hat“.