200.000 Euro Schulden – HOSI Linz räumt Vereinszentrum

Es war ein europaweit einzigartiges Projekt – mit dem Ende des Jahres ist es Geschichte: Die HOSI Linz räumt ihr erst im Jahr 2009 bezogenes Vereinszentrum in der Fabrikstraße und ist vorübergehend nur über ein Postfach zu erreichen. Ein Grund für den drastischen Schritt dürften nicht eingehaltene Finanzierungszusagen der öffentlichen Hand gewesen sein.

Notbremse bei 200.000 Euro Schulden

Gernot Wartner, Vereinssprecher der HOSI Linz, gibt heute vormittag offiziell die Schließung des Vereinszentrums bekannt. Hohe laufende Kosten und ausgebliebene Subventionen sowie ein Ausbleiben der Erlöse aus dem Betrieb des bereits geschlossenen Cafés „Julius“ „zwingen den Vorstand der HOSI Linz, das Haus in der Linzer Fabrikstraße zu räumen, und 2013 einen Neuanfang ohne Haus und ohne große Abhängigkeit von Subventionen der Stadt Linz anzugehen“, so Wartner.

So seien im Jahr 2012 die Schulden der HOSI Linz von 61.000 Euro auf 200.000 Euro explodiert. Täglich fürchtet die oberösterreichische Lesben- und Schwulenvertretung, dass ein Gläubiger den Insolvenzantrag stellt.

HOSI Linz sauer auf die Stadt Linz

Einer der Gründe für das hohe Defizit: Eine Mietkostennachforderung der Stadt Linz – „entgegen der ursprünglichen besprochenen Kaltmiete von 3.000 Euro im Jahr“, ärgert sich Wartner. Denn nun koste das Vereinszentrum die HOSI Linz pro Monat fast 9.000 Euro inklusive aller Betriebskosten.

Das Angebot der HOSI Linz wurde bereits auf ein Minimum zurückgefahren. Das Personal wurde gekündigt. Das Café „Julius“ ist seit Monaten geschlossen. Doch das war nicht genug – auch, weil die öffentliche Hand nicht bereit war, die HOSI Linz planmäßig zu fördern, so der Vorwurf Wartners. Stadt und Land war die Situation seit Februar 2012 bekannt. Eine Lösung wurde von der Stadt Linz zwar immer wieder in den Raum gestellt, geschehen sei aber nichts, ärgert sich der Vereinssprecher.

Deshalb blieb dem Vorstand keine andere Wahl: Am 30. September wurde die Kündigung per 31.3.2013 beschlossen. Um weitere Kosten zu vermeiden, zieht die HOSI Linz schon mit Jahresende aus den Räumlichkeiten in der Fabrikstraße.

„Finanzielle Unabhängigkeit“ statt „europaweit einzigartigem Projekt“

Gernot Wartner ist wehmütig: „Wie schwer jedenfalls diese Entscheidung dem Vorstand gefallen ist, mag klar werden, wenn man daran denkt, was für ein tolles, europaweit einzigartiges Projekt dieses Haus ist. Wenn man sich nochmals die Möglichkeiten, die dieses Haus eigentlich bietet, vor Augen führt. Und wenn man sich daran erinnert, welche einzigartigen und großartigen Veranstaltungen stattgefunden haben. Oder an die vielen aufregenden oder auch nur gemütlichen Abende im Café julius. Wie viel Arbeitsstunden alleine in Ausstattung und Technik im Veranstaltungssaal stecken, wie viel Schweiß, Energie und ideelle Werte.“, so der Vorstandssprecher der HOSI Linz.

Nun wählt die HOSI Linz unfreiwillig den Weg der „finanziellen Unabhängigkeit“: „Die HOSI Linz hat sich jedenfalls notgedrungen entschlossen, ab 2013 kleiner zu werden, Ballast abzuwerfen und sich wieder auf ihre Kernaufgaben zu beschränken, all dies nun wieder ehrenamtlich ohne Angestellte und ohne Haus, wie in früheren Zeiten unserer 30-jährigen Vereinsgeschichte!“, versucht Wartner, der Situation auch ihre guten Seiten abzugewinnen. Die Beratung soll vorerst rudimentär weitergeführt werden, die Mediathek wird abgegeben, ebenso das Vereinsarchiv. Alle Gruppenangebote werden ebenfalls heruntergefahren, bis neue Räumlichkeiten für ihre regelmäßigen Treffen gefunden werden können.

Die HOSI Linz rechne nicht mehr, Förderungen von der Stadt Linz zu bekommen. „Dafür gewinnt sie ihre Unabhängigkeit und frühere Gestaltungsmöglichkeiten zurück. 2013 wird also das Jahr, in dem es uns als unabhängiges Sprachrohr der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in Oberösterreich weiterhin gibt!“, hofft Wartner.

HOSI Linz dankt allen, die mitgeholfen haben

Ein besonderer Dank des Vorstandes geht an alle „die geholfen haben, das Zentrum einzurichten und auszustatten, die den Betrieb aufrecht erhalten haben, die sich um Veranstaltungen und Events gekümmert haben, die sich um die vielen Kleinigkeiten angenommen haben, die angefallen sind, die dieses Haus mit Spenden unterstützt haben, oder die als Gäste das Café mit Leben erfüllt haben“.

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