Schwule Blutspender: Österreichisches Rotes Kreuz bleibt bei striktem Nein

Schwulen Männern bleibt in Österreich auch weiterhin pauschal das Blutspenden untersagt. Das berichtet die Tageszeitung „Der Standard“. Damit werden in Österreich Schätzungen zufolge 420.000 Männer von der Blutspende ausgeschlossen, weil sie zumindest einmal in ihrem Leben mit einem Mann sexuellen Kontakt hatten. Das Österreichische Rote Kreuz als größte Blutspende-Organisation begründet die Maßnahme mit Sicherheitsbedenken.

So sei einer Studie des deutschen Robert-Koch-Institutes (RKI) das Risiko einer HIV-Infektion unter Männern, die Sex mit Männern haben, bis zu hundert Mal höher. Eva Menichetti, medizinische Leiterin der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes, erklärt dem „Standard“: „er Ausschluss erfolgt aufgrund medizinischer, nicht aufgrund gesellschaftspolitischer Kriterien und hat daher nichts mit Homophobie zu tun.“ Denn lesbische Frauen dürften Blut spenden.

Zwei konkrete Fälle vor 14 Jahren sind der Grund für das strikte Verbot

Grund für den strikten Ausschluss schwuler Männer von der Blutspende in Österreich waren zwei Fälle im Jahr 1998, in denen in Wien und Tirol Patienten über die Blutkonserve eines schwulen Spenders mit HIV infiziert wurden. Eigentlich war schwulen Männern die Blutspende schon seit dem Aufkommen von Aids in den frühen 1980ern verboten, unter bestimmten Fällen wurde aber seitens der Blutspendezentrale ein Auge zugedrückt.

Philipp Dirnberger, Geschäftsführer der Aids Hilfe Wien, will das Verbot nicht so stehen lassen. Auch, wenn statistisch das HIV-Infektionsrisiko unter Männern, die Sex mit Männern haben, höher sei als unter der Gesamtbevölkerung, gehe es um Risikoverhalten, nicht um Risikogruppen: „Homosexuell zu sein bedeutet nicht automatisch ein prinzipiell höheres Risiko für jeden Einzelnen, sich oder andere mit dem HI-Virus zu infizieren“, so Dirnberger im „Standard“.

Immer mehr Länder geben Blutspende für Schwule frei

In Deutschland setzt sich die Initiative „Schwules Blut“ dafür ein, die Blutspende auch homosexuellen Männern zu öffnen. Ihre Argumente: „Nur ein Prozent aller homo- beziehungsweise bisexuellen Männer haben tatsächlich eine HIV-Infektion. Rund die Hälfte aller homo- beziehungsweise bisexuellen Männer leben in einer festen Partnerschaft ohne ständig wechselnde Sexpartner. Mehr als 70 Prozent aller homo- beziehungsweise bisexuellen Männer mit wechselnden Geschlechtspartnern haben ausschließlich Safer Sex mit Kondom, sind von einem Infektionsrisiko praktisch ausgeschlossen.“

Trotzdem scheint sich in Österreich in dieser Frage nichts zu bewegen. Dass es auch anders geht, beweisen zahlreiche europäische Länder: In Großbritannien, Ungarn oder Schweden gilt lediglich eine einjährige Wartefrist nach dem letzten gleichgeschlechtlichen Sexualkontakt. In den Niederlanden wurde das Blutspendeverbot im letzten Jahr aufgehoben. Auch in Spanien, Italien oder Polen dürfen schwule Männer, sofern ihr Sexualverhalten als sicher gilt, mit ihrem Blut Leben retten.

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