Nachahmer von ‚kreuz.net‘ loben russisches Anti-Homo-Gesetz

Seit gut einem Monat versucht die in Wien beheimatete Seite „kreuz-net.info“ als Trittbrettfahrer jene radikalfundamentalistischen Christen einzusammeln, die durch das Ende von „kreuz.net“ heimatlos geworden sind. Dabei bedient man sich eines bekannten Rezepts: Hetze gegen Lesben und Schwule.

So schwärmt die Seite, die vom einschlägig bekannten Günther Schneeweiß-Arnoldstein herausgegeben wird, vom „Anti-Homo-Propaganda“-Gesetz in Russland. Dieses sei ein „Vorbild für Westeuropa“, heißt es auf „kreuz-net.info“. Das Gesetz sei, so die Website, nötig geworden, „nachdem es bei (zum Teil illegalen) Paraden immer wieder zu Zusammenstößen mit zu Recht aufgebrachten Bewohnern der Stadt gekommen ist.“ Dass diese „zu Recht aufgebrachten Bewohner“ vor allem rechtsextreme Schläger waren, ignoriert die Seite. Genauso wie die Tatsache, dass die russisch-orthodoxe Kirche gegen diese Paraden gehetzt hat.

Im Gegenteil: Diese hatte „einen wesentlichen, positiven Einfluss bei der Entscheidung“ des Gesetzes gegen „Homo-Propaganda“. So könnte man es auch nennen, wenn Präsident Putin seine schwindende Macht zu halten versucht, indem er sich an konservative Christen anbiedert. Denn, „für das gesetzliche Inkrafttreten sind weitere Lesungen sowie die Gesetzesunterfertigung durch den gläubigen Präsidenten Putin nötig“, schreibt „kreuz-net.info“.

„kreuz-net.info“: Von rechten Kirchenkreisen gelobt

Die Seite „kreuz-net.info“ startete Anfang Jänner und wollte in die Fußstapfen der Hass-Seite „kreuz.net“ treten. Dazu bediente sich Schneeweiß-Arnoldstein dem klassischen Mix aus erzreaktionärem Katholizismus, Antisemitismus und Schwulenhass. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) ist die Seite bereits bekannt, sie wird beobachtet.

Günther Schneeweiß-Arnoldstein soll Angehöriger einer katholischen Verbindung sein. Laut Impressum verantwortet er auch die rechtsgerichtete Seite www.couleurstudent.at und ist durch „homophobe sowie antisemitische Ausfälle bekannt“ geworden, wie die Initiative „Stoppt kreuz.net“ des Bruno Gmünder Verlages in Erfahrung bringen konnte. Der Österreichische Cartellverband (ÖCV) distanzierte sich noch Anfang Jänner „klar und deutlich von den auf der Website kreuz-net.info transportierten Inhalten“.

Dafür erfreut sich die Seite unter rechten Katholiken immer größerer Beliebtheit: In seiner aktuellen Nachrichtensendung “Gloria Global” würdigt das ebenfalls erzkonservative Portal „gloria.tv“ Schneeweiß-Arnoldstein als “mutigen Katholiken”. Für “Stoppt kreuz.net” ist das ein sicheres Zeichen für einen “eindeutigen Schulterschluss mit der ‘kreuz.net’-Ideologie”. David Berger, Koordinator der Kampagne, fordert die römisch-katholische Kirche nun auf, sich auch „in aller Form” von „gloria.tv” zu distanzieren. Wenn man dort den „offen antisemitisch, antidemokratisch und homophob agierenden“ Schneeweiß-Arnoldstein als „mutigen Katholiken“ feiere, dürfe das nicht ohne Folgen bleiben, so Berger.

Redaktionsadresse: 1010 Wien, Weihburggasse

Woher Schneeweiß-Arnoldstein seine Informationen über Homosexualität bezieht, ist nicht bekannt. Fest steht aber: Die im Impressum angegebene Redaktionsadresse befindet sich allerdings nur wenige Meter von der traditionsreichen Herrensauna „Kaiserbründl“ entfernt.