Öffnet Graz bald des Trauungssaal für schwule und lesbische Paare?

Obwohl Graz in der letzten Legislaturperiode eine offen lesbische Vizebürgermeisterin hatte, blieb der Trauungssaal im Rathaus gleichgeschlechtlichen Paaren verschlossen. Eine Öffnung des Saales für Eingetragene Partnerschaften war mit der ÖVP Graz unter Siegfried Nagl nicht zu machen. Im neuen Gemeinderat könnte die ÖVP überstimmt werden – und das wird jetzt auch versucht.

Grüne, Sozialistische Jugend (SJ) und die Grazer KPÖ fordern Nagl nun erneut auf auf, den Trauungssaal im Rathaus für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. SPÖ-Vizebürgermeisterin Martina Schreck unterstützt in diesem Punkt die Jugendorganisation ihrer Partei. Auch Piraten-Gemeinderat Philip Pacanda unterstützt diese Forderung: „Absolut – das ist eine wichtige Forderung von uns“, sagte er dem „Standard“.

Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, plant die SJ für heute um 15.00 Uhr einen „Hochzeits-Flashmob“ am Grazer Hauptplatz. Motto: „Zeigen wir ÖVP & FPÖ, wie das 21. Jahrhundert aussieht!“ Dabei sollen gleichgeschlechtliche Paare als Hochzeitspaare verkleidet direkt vor dem Rathaus auf ein offenes und tolerantes Graz anstoßen.

Im Büro von Bürgermeister Siegfried Nagl stoßen die Parteien damit auf taube Ohren. „Wir öffnen den Trauungs-Saal nicht, weil das keine Trauung ist“, so Nagls Sprecher Thomas Rajakovics gegenüber dem „Standard“. Und er ergänzt: „Wenn ein Höchstgericht das als Trauung bezeichnet, öffnen wir die Türen“. Für die „Verpartnerlichung mit Gästen“, wie Rajakovics die Zeremonie nennt, habe man „ordentliche Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, da gab es nie Beschwerden“.

Da auch die FPÖ gegen eine Öffnung des Trauungssaales für schwule und lesbische Paare ist, steht es im Gemeinderat vermutlich 24:24. Beschlossen werden könnte ein Antrag also nur, wenn mindestens ein Abgeordneter von ÖVP oder FPÖ fehlt, hofft auch Pirat Pacanda.