Queen Elizabeth II. erstmals öffentlich gegen Diskriminierung von Lesben und Schwulen

Die britische Königin Elizabeth II. hat zum Commonwealth-Tag ein Bekenntnis gegen Diskriminierung in den Ländern des Staatenbundes abgelegt. Weil Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung zwar gemeint, aber nicht explizit erwähnt wurde, gibt es nun Kritik.

In der Charta zu Demokratie und Menschenrechten, die der Queen am Montag zur Unterschrift vorgelegt wurde, heißt es unter anderem: „Wir stehen unerbittlich gegen alle Formen der Diskriminierung, ob diese nun in Geschlecht, Abstammung, Hautfarbe, Glauben, politischer Überzeugung oder anderen Gründen wurzeln.“

Homosexualität in 41 Ländern des Commonwealth verboten

Mit „anderen Gründen“ meint die Charta vor allem die sexuelle Orientierung. Auf eine explizite Erwähnung wurde aber verzichtet, weil es in 41 von 54 Ländern des Commonwealth Gesetze gegen Homosexualität gebe – in Teilen Nigerias und Pakistan droht sogar die Todesstrafe. Anerkannt werden gleichgeschlechtliche Beziehungen aber nur in fünf Ländern des Staatenbundes: Großbritannien, Australien, Kanada, Neuseeland und Südafrika.

In einer Rede erklärte die Queen: „Unsere gemeinsame Werte wie Frieden, Demokratie, Entwicklung, Gerechtigkeit und Menschenrechte, die sich in der neuen Commonwealth-Charta finden, legen einen besonderen Schwerpunkt darauf, jeden miteinzubeziehen, vor allem die Schwächsten.“

Meilenstein oder diplomatische Feigheit?

Britische Diplomaten erklärten die Bedeutung dieser Erklärung: „Nichts so Fortschrittliches wurde jemals von den Vereinten Nationen angenommen. Und es ist höchst ungewöhnlich für die Queen, dass sie Dokumente in der Öffentlichkeit unterzeichnen möchte, besonders vor laufenden Kameras“.

Für Königin Elizabeth II. ist es das erste Mal, dass sie – zumindest inoffiziell – die Rechte von homosexuellen Menschen unterstützt. Ben Summerskill von der britischen Lesben- und Schwulenorganisation „Stonewall“ freut sich: Sie habe „einen historischen Schritt nach vorne“ gemacht, sagt er dem britischen Nachrichtenportal „PinkNews“. Er erinnert: „Einige der schlimmsten Verfolgungen von Lesben und Schwulen auf der Welt geschieht in Ländern des Commonwealth als Folge des Britischen Empire.“

Genau deshalb wären aber klarere Worte der Queen wünschenswert gewesen, meint unter anderem der britische Aktivist Peter Tatchell: „In Wirklichkeit beinhaltet die Charta keine spezielle Verurteilung von Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung. Hier gab es ein Veto der homophoben Mehrheit der Mitgliedsstaaten.“